Anlässlich des 150. Geburtstags von Paula Modersohn-Becker reisen wir mit drei Übernachtungen nach Bremen, um die Ausstellung Becoming Paula sowie das Künstlerdorf Worpswede zu besuchen und das historische Zentrum von Bremen kennenzulernen. Diesen Post zum Ausstellungsbesuch ergänzen zwei weitere Posts:
- Das Rahmenprogramm der Kurzreise beschreibt der Post Rückblick auf einen Kulturtrip nach Bremen im Zeitraum 6.08.–9.08.2026 zum 150. Geburtstag von Paula Modersohn-Becker.
- Unsere Vorbereitung der Kurzreise nach Bremen fasst der Post Vorschau Kulturtrip nach Bremen zum 150. Geburtstag von Paula Modersohn-Becker zusammen.
Wer sich mit Paula Modersohn-Becker beschäftigt, trifft auf ethische
Fragen zu deutscher Kultur und auf Fragen zur Relevanz von Kunst, die
sich nicht nur in Bildern der Malerin, sondern auch in der Architektur
der Böttcherstraße offenbaren. Darum beginnt der Post mit einem Überblick zu komplexen Zusammenhängen zwischen der Architektur der Böttcherstraße und dem Werk von Paula Modersohn-Becker.
Das Paula Modersohn-Becker-Museum befindet sich in der Bremer Böttcherstraße,
die zu den bekanntesten Bremer Sehenswürdigkeiten zählt und deren
expressionistische Architektur seit 1973 unter Denkmalschutz steht. In der Gegenwart gilt die Böttcherstraße als „Bremens heimliche Hauptstraße“ (Tourismus Bremen: Böttcherstraße).
Das Gebäude, in dem sich das Museum befindet, wurde 1926/1927 nach Entwürfen von Berhard Hoetger (1874–1949) als Paula-Modersohn-Becker-Haus gebaut. Auftraggeber war der international operierende Bremer Kaffeeunternehmer Ludwig Roselius (1874–1943), Gründer von Kaffee Hag, der als deutscher „Kaffeekönig“ galt. Roselius verstand die Architektur der Böttcherstraße als Symbolik deutschen Denkens. Roselius bewunderte Paula Modersohn-Beckers Kunst und wollte sie der Öffentlichkeit als Mäzen des Mueums zugänglich machen. Das Paula-Modersohn-Becker-Haus war das weltweit erste einer Malerin gewidmete Museum.
Adolf Hitler bezeichnete die „Böttcherstraßen-Kultur“ als „Verfallskunst“, aber er verschonte Gebäude der Böttcherstraße vor einem Abriss, um sie als abschreckendes Beispiel zu erhalten (Wikipedia: Paul Modersohn-Becker-Museum). Den Erhalt des Museums hat vermutlich beeinflusst, dass Hitler auf die Kooperation maßgeblicher Persönlichkeiten der Wirtschaft angewiesen war, (Trump würde von "Deals" sprechen) und Roselius den Nationalsozialismus und Hitler zum eigenen Vorteil unterstützte. „Roselius war Mitglied der nationalsozialistischen Akademie für Deutsches Recht und förderndes Mitglied der SS. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels berief Roselius im Oktober 1933 in den Verwaltungsrat des Werberats der deutschen Wirtschaft. (Wikipedia: Ludwig Roselius) Roselius war mit 30 % am Flugzeughersteller Focke-Wulf beteiligt, der sich zu einem bedeutenden Rüstungskonzern entwickelte. Aufgrund Hitlers Kritik am expressionistischen Stil wurde die Paula-Moderssohn-Becker-Sammlung der Öffentlichkeit entzogen und zur Privatsammlung von Ludwig Roselius deklariert. Als Unternehmer dachte Roselius betriebswirtschaftlich bzw. opportunistisch und war auf keine Ethik verpflichtet.
In der Gegenwart befindet sich die Böttcherstraße nahezu vollständig im Besitz der Sparkasse Bremen. Paula Modersohn-Beckers Tochter Mathilde (Tille) brachte in ihrem Besitz befindliche Werke ihrer Mutter in die Paula-Modersohn-Becker-Stiftung ein, die mit der Roselius-Sammlung den Kernbestand der Museums-Sammlung bilden. Die Internetpräsenz der PMB-Stiftung umfasst eine ausführliche Biografie von Paula Modersohn-Becker sowie ein umfangreiches digitales Werkarchiv. PMB-Stiftung: Biographie, Bildarchiv
Rundgang durch die Ausstellung Becoming Paula - Fotoserie Ausstellungsansichten
Die Jubiläumsausstellung Becoming Paula zeigt im Zeitraum 8. Februar – 1. November 2026 ca. 70 Gemälde und Papierarbeiten aus Museumssammlungen, der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung und Privatbesitz. "Die Ausstellung BECOMING PAULA geht dieser Frage nach und zeigt, wie aus Paula Becker die Künstlerin Paula Modersohn-Becker wurde und letztlich die Kunstfigur "Paula"." (Zitat der Ausstellungsseite)
Die Ausstellung Becoming Paula bildet anhand persönlicher, räumlicher und zeitlicher Verknüpfungen vier Schwerpunkte:
- Paula Modersohn-Beckers persönliches Künstlernetzwerk beleuchten "Porträts u.a. von Clara Rilke-Westhoff, Rainer Maria Rilke, Martha Vogeler, Lee Hoetger oder der Schwester Herma".
- In London und Berlin von 1892 bis 1898 entstandene frühe Werke
- In Worpswede ab 1900 entstandene Werke
- In Paris verstärkte sich unter Einflüssen der französischen Avantgarde in den Jahren 1906 und 1907 expressionistischer Ausdruck in Paula Modersohn-Beckers Werken. Angeregt durch die französische Avantgarde mischte Paula Elemente verschiedener Stilrichtungen und entwickelte eine eigene Bildsprache, die in der Kunstgeschichte weitgehend isoliert blieb. Verwandtschaften zu Paul Cézanne, Paul Gauguin und Vincent van Gogh sind jedoch zu erkennen. Stilistisch werden Modersohn-Beckers Spätwerke dem Expressionismus zugeordnet.
Abweichend von der Ausstellungsgliederung ordnet dieser Post in der Ausstellung aufgenommene Fotos in fünf thematische Kapitel und sortiert Fotos jeweils chronologisch aufsteigend. Diese Ordnung zeigt ebenfalls Kontexte und Entwicklungen auf. In nachfolgenden Kapiteln sind Bezeichnungen zu Fotos von Paula Modersohn-Beckers Bildern jeweils von links nach rechts aufgeführt.
Arbeiten vor 1900 – Fotoserie: Arbeiten vor 1900
Garten, 1896
Atelier in Bremen, 1897
Frau mit im Schoß gefalteten Händen, 1898
Stehender Mädchenakt mit verschränkten Armen, 1898/99
Stillleben mit Milchsatte (Frühstückstisch), 1905
Stillleben mit blauem Kasten, 1907
Anbetung der Drei Könige, 1907
Die Bildhauerin Clara Rilke-Westhoff, 1905
Rainer Maria Rilke, 1906
Selbstbildnis nach halbrechts, die Hand am Kinn, 1906
Alte Armenhäuslerin im Garten mit Glaskugel und Mohnblumen, 1907
Stehender weiblicher Akt (Rückenansicht), 1900
Kind auf rotgewürfeltem Kissen, um 1904
Sitzender Mädchenakt mit angezogenen Beinen (Elsbeth), um 1904
Mädchen im Birkenwald mit Katze, um 1904
Flöte blasendes Mädchen im Birkenwald, 1905
Großer stehender Mädchenakt, 1906/1906
Sitzender Mädchenakt mit Apfel, 1906
Elsbeth zwischen Feuerlilien, 1907
Sitzendes Mädchen in weißem Hemde und stehender Mädchenakt, 1906
Liegende Mutter mit Kind II, 1906
Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag, 1906
Medienberichte zum Jubiläum Paula Modersohn-Becker und zu Ausstellungen in Bremen, Worpswede, Dresden
- Paula Modersohn-Becker-Museum in Bremen: 150 / 100 Jahre Paula Modersohn-Becker
- Museen Böttcherstraße: Becoming Paula (8.02.2026 – 1.11.2026)
- Das Portal Paula 150 gibt einen Überblick über Aktivitäten im Jubiläumsjahr.
- Museen des Künstlerdorfs Worpswede stellen in aktuellen Ausstellungen Bezüge zum Jubiläumsjahr her: Wir feiern 150 Jahre Paula-Modersohn Becker.
- Das Dresdner Albertinum zeigt in einer Ausstellung Werke von Paula Moderson-Becker und Edvard Munch im Dialog: Die großen Fragen des Lebens
- Dresden Magazin: Paula Modersohn-Becker-Ausstellung in Dresden
- Ein Beitrag des NDR beleuchtet die Bedeutung der Malerin Paula Modersohn-Becker: Kurze Schaffenszeit, große Wirkung
- Ein Artikel im Kulturmagazin rheinische ART betrachtet die Sonderausstellung 2016 in Paris: In der Ferne leuchtet Paris

































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