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| Sempergalerie am Theaterplatz Foto: Michael Kranewitter, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 4.0 |
Anmerkungen zur Geschichte des Zwingerkomplexes am Theaterplatz Dresden
Der Ausbau Dresdens zur Befestigungsanlage begann im 13. Jahrhundert und endete mit der Entfestigung im 19. Jahrhundert. Ab 1427 wurde die Befestigung verstärkt und um eine zweite äußere Mauer ergänzt. Als Zwinger bezeichnete Mauerzwischenräume in der Nähe des Schlosses nutzte der Dresdener Hof als Gärten. Teile des heutigen Komplexes lagen außerhalb der Stadtbefestigung und wurden erst mit Erweiterung der Festung im 16. Jahrhundert in die Stadt einbezogen. Friedrich August I. (August der Starke) veranlasste den Ausbau Dresdens zu einer barocken Metropole nach französischen und italienischen Vorbildern. 1709 begann die Gestaltung des Zwingers als Lustgarten mit Pavillons als Orangerie und dauerte ca. 20 Jahre. In der Karte aus dem Jahr 1750 ist der Zwingerkomplex in seinen heutigen Umrissen zu erkennen. Zu dieser Zeit hatte der Zwinger bereits seine Bedeutung verloren, sodass Verfall einsetzte. Hierzu trug bei, dass Gärten des Zwingers für die Bewirtschaftung des Hofs nicht
ausreichten und sich Moden der Architektur in Richtung Klassizismus
geändert hatten. Für Ansprüche August des Starken war der Zwinger ohnehin unangemessen. August und sein Nachfolger dachten in größeren Dimensionen an eine Maßstäbe setzende repräsentative Residenz. Kriege und Geldmangel verhinderten die Realisierung. Über den Zwinger informieren u.a. Wikipedia, Zwinger, und das Portal Dresdener Zwinger.
Seit dem 19. Jahrhundert werden Zwingergebäude für Kunstsammlungen und als Museen genutzt. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts umschloss den Zwingergarten eine Dreiflügelanlage. Friedrich August II. beauftragte Gottfried Semper mit dem Bau einer Gemäldegalerie für die königliche Sammlung. Semper und Kollegen entwarfen die Sempergalerie als dreigeschossiges Gebäude im Stil der Renaissance, das den Zwingerkomplex in Richtung Elbe abschließt und den Zwinger zur Vierflügelanlage gestaltete. Im Unterschied zur heutigen Architektur hatte Semper die zentrale oktogonale Kuppel des Gebäudes und den Durchgang zum Zwinger wesentlich großzügiger vorgesehen. Semper musste wegen seiner Beteiligung an den Maiaufständen 1849 aus Dresden fliehen. Seine Nachfolger kannten die Pläne nicht und realisierten eine bescheidene Version.
Alliierte Luftangriffe zerstörten im Zweiten Weltkrieg fast die gesamte Dresdener Altstadt, einschließlich Zwinger und Sempergalerie:
- Wikipedia: Luftangriffe auf Dresden
- Portal Dresden: Karte der Schadensgebiete
- Deutsches Historisches Museum: Bombardierung von Dresden 1945
Eine spezielle Erinnerungskultur von Zerstörungsnarrativen konserviert die Zerstörung Dresdens 1945 als moralischen Skandal:
- Wikipedia: Bombardierung Dresdens
Im Zeitraum 1951-1960 wurde der Zwinger mit Sempergalerie nach historischem Vorbild rekonstruiert. Von 2013 bis 2019 erfuhr die Sempergalerie eine Generalsanierung. In der Gegenwart nutzt die Staatliche Kunstsammlung Dresden die Sempergalerie im Erdgeschoss für die Skulpturensammlung und im Obergeschoss für die Gemäldegalerie Alte Meister.
Gemäldegalerie Alte Meister
Die Sammlung der Gemäldegalerie Alte Meister umfasst ca. 3.800 Werke, von denen ca. 700 in Dauer- und Wechselausstellungen zu sehen sind. Ursprünge der Sammlung gehen zurück auf die 1560 gegründete kurfürstliche Kunstkammer. Im Interesse repräsentativer Selbstdarstellung entfalteten sächsische Kurfürsten und Könige im 18. Jahrhundert eine systematische Sammeltätigkeit bedeutender Gemälde, die den Kern der Sammlung bildet. Unter Kurfürst Friedrich August II. (zugleich König von Polen als August III.) wurde 1754 Raffaels Bild der Sixtinischen Madonna für die königliche Sammlung angekauft, die damit europaweite Beachtung erwarb. Bis zum Ankauf befand sich das Bild auf dem Hochaltar in der Klosterkirche der schwarzen Mönche in Piacenza. Wikipedia beschreibt das Bild und dessen Kontexte ausführlich im Eintrag Sixtinische Madonna.
Hohe Verschuldung zwang die Mönche zum Verkauf des Bilds für eine enorme Geldsumme. 2022 klebten sich zwei Aktivisten der Gruppe Letzte Generation mit jeweils einer Hand am Rahmen der Sixtinischen Madonna fest, um auf Zerstörungen des menschengemachten Klimawandels aufmerksam zu machen. Das Gemälde blieb unbeschädigt, aber das Bild wird seit dieser Aktion während der Öffnungszeit des Museums von einer Aufsichtsperson bewacht. Das Klima bleibt beschädigt.
Im 19. Jahrhundert erwarben die königlichen Museen mit bedeutenden Summen Gemälde spanischer, italienischer und niederländischer Meister. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts bestand keine Trennung zwischen alten und neuen Gemälden. Aus Platzgründen zogen Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts 1931 als Galerie Neue Meister in Gebäude der Brühlschen Terrasse um. Während des Zweiten Weltkriegs waren Gemälde beider Galerien ausgelagert und blieben von Zerstörung weitgehend verschont. Nach Kriegsende beanspruchte die Sowjetunion erhaltene Gemälde als Beutekunst. 1955 beschloss die Sowjetunion die Rückgabe.
Global zählt die Gemäldegalerie Alte Meister zu den bedeutendsten Gemäldesammlungen. Die Bedeutung begründen Meisterwerke aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. U.a. verfügt die Gemäldegalerie über die weltweit größte Cranachsammlung. In der Galerie empfinden wir dichte Hängungen der Bilder, z.T. in barocken Goldrahmen, als störende Ablenkung der Betrachtung. Positiv empfinden wir zur Strukturierung der Ausstellung unaufdringlich beitragende farbige Wandbespannungen der Galerien. In einem zweistündigen Rundgang können wir uns lediglich einen Überblick verschaffen und nur auf eine Auswahl von Werken fokussieren. Unseren Fokus stellt dieses Kapitel mit Zwischenüberschriften vor.
Cranachsaal
Dresden-Motive von Johann Alexander Thiele und von Bernardo Bellotto, gen. Canaletto
Pirna und Landschaft an der Oberelbe von Bernardo Bellotto, gen. Canaletto
Venedig-Motive von Giovanni Antonio Canal, gen. Canaletto
Italienische Renaissance: Raffael, Tizian, Veronese
Flämische Maler: Jan van Eyck, Pieter Bruegel d.Ä., Adriaen van Utrecht, Rembrandt van Rijn, Frans Hals, Johannes Vermeer
Skulpturensammlung
Die Sammlung präsentiert Werke aus fünf Jahrtausenden. Programmatisch sind ab dem Jahr 1800 entstandene Skulpturen im Albertinum ausgestellt. Dieses Ordnungsprinzip durchbrechen zwei moderne, in der Antikenhalle aufgestellte Skulpturen von Antonio Gormley aus den Jahren 1993 und 1997.
Nach intensiven Eindrücken in der Gemäldegalerie Alte Meister sind wir nur noch begrenzt für ausgestellte Skulpturen und Artefakte anderer Art aufnahmefähig und bescheiden uns mit Eindrücken eines Rundgangs. Der Besuch der Sempergalerie endet im Museumscafé.













































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