Sonntag, 4. Januar 2026

Inka-Keramik? - Anmerkungen zu einem Objekt unserer Küchendekoration

Küchendekoration: Inkakeramik (links), Handmade Native Navajo Potter aus dem Canyon de Chilly (Mitte), Siegburger Keramikkanne (rechts)
Links: Inka-Keramik(?) - Mitte: Handmade native Navajo Keramik aus dem Canyon de Chelly - Rechts: Siegburger Keramikkrug 
 
Unsere Küche dekorieren drei auf einem Glasboden aufgestellte Gefäße. Mit jedem der Objekte verbinden wir besondere Erinnerungen unserer Biografie. Die rechts abgebildete Keramik beschreibt der Post Römisch? Nein, Siegburger Mittelalter und Frühneuzeit! Die Herkunft des mittleren Gefäßes gibt keine Rätsel auf. Wir haben es im Mai 2013 auf einer Rundreise durch den Südwesten der USA in Arizona im Gebiet der Navajo Nation Reservation bei einer Wanderung auf dem White House Ruins Trail im Canyon de Chelly von einer indigenen Frau aus dem Volk der Navajo inkl. Segenswunsch God Bless You erstanden. Eindrücke der Reise vermittelt der Reiseblog Südwestpassage USA 2013. Dieser Post beschäftigt sich mit dem links abgebildeten Keramikgefäß. Das Rätsel der vermeintlichen Inka-Schale ist eine harte Nuss. Relativ sicher ist, dass die Keramik aus einer präkolumbianischen Kultur stammt. Den Versuch einer genaueren Einordnung beschreibt dieser Post.
 
 
Ursprung und grobe Einordnung des Keramikobjektes
 
Diskusförmiges präkolumbianisches Keramikgefäß aus Mittel- oder Südamerika Oberseite des diskusförmigen präkolumbianischen Keramikgefäßes aus Mittel- oder Südamerika Unterseite des diskusförmigen präkolumbianischen Keramikgefäßes aus Mittel- oder Südamerika
 
Laut übermittelter Information besteht zur zeitlichen und kulturellen Einordnung der eher vage Hinweis, dass es sich um eine Trinkschale aus der Inka-Kultur handelt. Diese Einordnung besagt, dass die Keramik in einer präkolumbianischen Kultur hergestellt wurde, also vor der Zeit der Entdeckung Amerikas 1492 durch den in Genua geborenen italienischen Seefahrer Christoph Kolumbus (1451-1506). Bewertungen von Kontexten der Keramik sind ohne eigene Expertise zum Kulturraum, zur Kulturgeschichte, zu Kulturtechniken des amrikanischen Konrinents sowie zur geschichtswissenschaftlichen Methodik nicht möglich. Defizite erfordern aufwändige Recherchen und mahnen zu selbstkritischer Vorsicht. 
 
 
Wie das Keramikobjekt in unseren Besitz gelangte 
 
In den frühen 1990er Jahren reiste die Keramik im Kontext einer verwickelten Vor- und Nachgeschichte auf verschlungenen Wegen zu uns. Eine Kölner Freundin, hier als A. bezeichnet, hat an der Universität Köln am Zentrum für Biochemie studiert und geforscht. Leiter des Instituts war der international renommierte Biochemiker und Molekularbiologe Wilhelm Stoffel (1928 -2025), dem bedeutende Erkenntnisse in Grundlagenforschungen komplexer Stoffwechselprozesse zu verdanken sind (Nachruf des Zentrums für Biochemie der Universität Köln). A. hat bei ihm promoviert und mit dessen Unterstützung Ergebnisse eigener Forschung in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert. W. Stoffel hat A's wissenschaftliche Karriere gefördert. Voraussetzungen einer wissenschaftlichen Karriere sind in diesem Fach Forschungserfahrungen in den USA. W. Stoffels eigene wissenschaftliche Karriere führte über ein Studium an der Rockefeller University in New York City. Diesen Spuren folgte A. 1990 im Rahmen eines Stipendiums. Von New York aus unternahm  A. eine Ferienreise nach Mittelamerika, wo sie den Berliner Forstwissenschaftler K.N. kennenlernte, der damals ein Entwicklungsprojekt für nachhaltige Forstwirtschaft in Honduras begleitete. A. und K.N. gingen eine Beziehung ein. Über den Jahreswechsel 1990/91 haben wir A. in New York besucht und bei dieser Gelegenheit ihren Partner K.N. kennengelernt. 
 
A. und K.N. planten eine Lebenspartnerschaft, aber nicht als Fernbeziehung. Australien schien ein geeignetes Ziel für den Aufbau einer gemeinsamen Zukunft zu sein, weil es in Australien Bedarf für Kompetenzen der beiden gab und Australien beide Migranten willkommen hieß. Die Organisation der Umsiedlung nach Australien führte über Deutschland. Das Programm ihrer Deutschlandreise umfasste einen Kurzbesuch bei uns. Zu diesem Anlass hat K.N. die hier gegenständliche Keramik mit den Worten überreicht, dass sie eine historische Inka-Schale sei. Da während des Besuchs andere Themen relevanter waren, haben wir keine weiteren Informationen ausgetauscht. Das holen wir nun mit eigenen Recherchen nach. Erwähnt sei, dass Verbindungen abgebrochen sind. In Australien ließen sich Zukunftspläne der Freunde nicht realisieren. Ihre Partnerschaft haben A. und K.N. in den 1990er Jahren aufgelöst. K.N. ist bereits verstorben. Unsere Kontakte zu A. sind seit 2 Jahren eingeschlafen, weil Konsens über bedeutende Grundwerte des Lebens und über politische Haltungen abgenommen hat.


Kurzporträt des Inkareichs mit soziologischem Sidekick
 
Quellen zum Inkareich sind das Inka-Porträt des Lateinamerka-Instituts im Portal FU Berlin, der Wikipedia-Eintrag Inkareich sowie die Seite Tickets Machu Picchu: Inka-Keramik. Hauptquelle des soziologischen Sidekicks zu Themen globaler Strukturen und Prozesse ist die Monografie Kapitalismus. Geschichte einer Weltrevolution, Hamburg 2025, des Neuzeithistorikers Sven Beckert, Bruder des Soziologen Jens Beckert. Das erst kürzlich erschienene Buch gilt bereits als unverzichtbares Standardwerk der Globalgeschichte.
 
Im 13. Jahrhundert entstand das Inkareich in der Andenregion Südamerikas als urbaner multiethnischer Staat durch Eroberung, Unterdrückung, Assimilierung. Der Inka-Staat war ein Schmelztiegel heterogener Sprachen, Kulturen und Völker, die unvollständig integriert waren. Fragilen Zusammenhalt erzeugten eine gemeinsame Infrastruktur und eine repressive, hierarchisch geordnete Herrschaftsstruktur. Inka-Kultur übernahm Töpfertechniken älterer Andenkulturen, hauptsächlich der Tiahuanaco (12. Jahrhundert) und der Wari (13. Jahrhundert). 
 
Provinzen des Inkareichs zur Zeit der größten Ausdehnung um 1500
Zur Blütezeit um 1500 erstreckte sich das Inka-Reich von der heutigen Grenze zwischen Ecuador und Kolumbien bis ca. zur Hälfte des heutigen Chile mit einer Nord-Süd-Ausdehnungen von ca. 5.000 km und umfasste Randgebiete des heutigen Argentinien. Der Inka-Staat war in den farbig dargestellten vier Provinzen, Chinchasuyu, Antisuyu, Contisuyu, Collasuyu eingeteilt. Die heterogene multiethnische Bevölkerung verknüpften auf der materiellen Ebene organisatorische Infrastrukturen. Ideologische Legitimation bezog der Inka-Staat aus einer Staatsreligion des Sonnenkults und der Staatssprache Quechua. Herrscher legitimierten ihre Machtausübung mit göttlicher Abkunft. 
Spanische Konquistadoren zerstörten unter der Führung von Francisco Pizarro in der Begleitung christlicher Priester und unter dem Vorwand der Missionierung mit der Aussicht auf Raub von Gold- und Silberschätze 1531/1532 das Inkareich. Eine ähnliche Vorgehenweise in mittelalterlichen Kreuzzügen könnte als Blaupause gedient haben. Im Unterschied zu Kreuzfahrern trafen spanische Eroberer auf wenig Widerstand, weil das Inkareich durch Bürgerkriege innerlich zerstritten war. In Erwartung der Befreiung verbündeten sich Gegner der Inka-Herrschaft mit den Spaniern. Spanische Eroberer zerstörten nicht nur die Infrastruktur des Inkareichs. Bevölkerung einheimischer indigener Kulturen wurde als Arbeiter in Gold- und Silberminen versklavt. Europäische Krankheiten trugen zur Zerstörung sozialer Ordnungen durch Dezimierung der Bevölkerung bei. Parallel entwickelte sich europäische Kultur in Richtung kapitalistischer Wirtschaft. 
 
Die spanischen Eroberer transportierten eingeschmolzenes Gold und Silber nach Europa, was nicht ohne Folgen blieb. Im Gegenteil trugen Inkaschätze zur Formung von Strukturen unserer Gegenwart bei und wirken sich noch immer nachhaltig aus. Gold und Silber der Inka-Kultur diente der Finanzierung von Kriegen, löste eine Inflation der Edelmetallpreise aus und leitete den Frühkapitalismus ein, mit dem der Feudaladel seine Macht an Kaufleute verlor. Diese bauten ihre Macht in nachfolgenden Jahrhunderten zu Grundlagen unserer gegenwärtigen Kultur aus. Im Kontext dieser Transformation entstand erst der uns bekannte moderne Staat. Auf Zusammenhänge, Kontinuität und Dynamik dieser Strukturen und Prozesse macht Sven Beckert in seiner Globalgeschichte über denKapitalismus (s..o.) aufmerksam, die Martin Hubert im Deutschlandfunk (Sven Beckert: "Kapitalismus". Geschichte einer Weltrevolution) völlig zu Recht als beeindruckend vorstellt. In einem lesenswerten Interview der Frankfurter Rundschau vom 12.12.2025 (Historiker über Kapitalismus – „Alles, was Menschen gemacht haben, können sie auch verändern“) beantwortet Sven Beckert u.a. zwei Fragen: 
 
Wann beschleunigt sich die Entwicklung zum Kapitalismus?

Im 15. und 16. Jahrhundert – und das vor allem durch eine neue Allianz: europäische Staaten und Händler begannen gemeinsam, den Atlantikraum zu erschließen. Diese Verbindung war entscheidend. Die Staaten waren chronisch verschuldet und auf Kredit angewiesen; die Kaufleute wiederum nutzten die militärische Macht der Staaten, um neue Räume zu erobern und die Produktion ganz nach ihren Vorstellungen zu organisieren. Barbados ist ein Beispiel: eine unbesiedelte Insel, die Europäer im 17. Jahrhundert vollständig nach kapitalistischen Prinzipien umbauten. Alles – Land, Lebensmittel, Arbeit – wurde zu Ware. Und Arbeit hieß: Sklavenarbeit.
 
Das klingt nach einem radikalen Bruch. Ist das der Beginn des Kapitalismus?
 
Es gibt kein Datum, keinen Gründungsmoment. Der Kapitalismus entsteht als globaler Prozess. Was im Atlantik passiert, verbindet sich mit Produktions- und Handelsstrukturen in Indien, China, Afrika. Ich spreche gern vom Übergang: In den Jahrhunderten vor 1500 gab es Kapitalisten. Im 16. Jahrhundert entsteht langsam der Kapitalismus. Eine sich durchsetzende Logik, die Produktion, Handel, Landnutzung und Arbeitsorganisation erfasst. Und dieser Prozess ist bis heute nicht abgeschlossen.

In der Gegenwart sind uns Kapitalismus und Staat so vertraut, als hätte es sie quasi naturbedingt schon immer gegeben. Wissenschaften machen Verzerrungen von Wahrnehmung als Irrtümer eines vermeintlich gesunden Menschenverstands bewusst. Irrtümer dieser Art resultieren aus biologisch programmierten und kulturell vermittelten Wahrnehmungsmechanismen und bewirken, dass Menschen eher der eigenen Wahrnehmung als wissenschaftlichen Erkenntnissen vertrauen. Während Irrtümer des gesunden Menschenverstands auf genetischen Dispositionen beruhen, nutzen kulturelle Herrschaftsstrukturen schon immer Macht verleihendes überlegenes Wissen für missbräuchliche Erzeugung von Wahrnehmungsirrtümern, um Menschen im Eigeninteresse zu manipulieren. Strukturell unterscheiden sich Mechanismen der Machtkonsolidierung auf zeitlich langen Distanzen wenig. Variable Bedingungskonstellationen erfordern jedoch innovative Veränderungen und Anpassungen von Instrumenten der Manipulation. Marketing, Social Media, Tech-Konzerne, Methoden populistischer Politik der Gegenwart nutzen lediglich neuartige Instrumente für seit archaischer Zeit bewährte Mechanismen der Erzeugung asymmetrischer Verteilungen von Macht, aus denen hierarchische soziale Strukturen und Erfahrungen sozialer Ungleichheit resultieren. Verbreitet und durchgesetzt haben sich diese Strukturen und Mechanismen unter Bedingungen von Sesshaftigkeit. 
 

Präkolumbianische Keramik
 
Die keramische Zeit begann auf dem amerikanischen Kontinent je nach Kultur zeitlich unterschiedlich mit sesshafter Landwirtschaft ab dem Jahr 1800 v.C. bis 1500 v.C. (Wikipedia: Liste präkolumbianischer Kulturen) und prägte kulturspezifisch eine große Vielfalt von Keramiken aus. Präkolumbianische Töpfer kannten keine mechanischen Drehscheiben, aber sie nutzen konkave Schalen oder Steinplatten, um Gefäße zu formen und bei der Bearbeitung von Hand zu drehen. Keramik wurde nicht in Öfen gebrannt und lasiert, sondern in offenen Feuern gehärtet und mit Bemalung oder Ritzungen verziert. Da nur mesoamerikanische präkolumbianische Kulturen hochentwickelte Schriftsysteme entwickelten und europäische Eroberer aus Edelmetall bestehende kulturelle Artefakte eingeschmolzen haben, sind Keramiken für Einordnungen archäologischer südamerikanischer Kulturen besonders bedeutend.
 
 
Gestaltungsmerkmale unseres Keramikobjektes
 
Die sachliche Formgebung unter Verzicht auf bildhafte symbolische Gestaltungselemente scheint auf Gebrauchskeramik hinzuweisen, die keine Funktion als Kultobjekt hatte. Allerdings bestehen auch gegenteilige Vermutungen. Aufgrund der flachen Diskusform besteht die Keramik aus einer oberen und einer unteren Hälfte. Vermutlich sind die beiden Hälften jeweils separat erstellt und anschließend zusammengefügt worden. 
  • Auf der oberen Hälfte sind Farbreste einer dunklen, wahrscheinlich einfarbigen Bemalung zu erkennen. Unterhalb der Randlippe sind Ritzungen angebracht. Muster lassen sich nicht identifizieren, aber sind auch nicht auszuschließen. 
  • Die untere Hälfte zeigt keine Spuren von Bemalung, jedoch dunkle Einfärbungen, die von Einwirkungen durch Feuer in Herdstellen verursacht sein könnten.
Die geschlossene Form mit zentraler Öffnung in der oberen Hälfte weist auf Funktionen des Gefäßes als Behälter für Flüssigkeit hin. Eine um die Öffnung verlaufende Randlippe erleichtert das Ausgießen von Flüssigkeit und könnte auch auf eine Funktion als Trinkgefäß hinweisen. Auf Höhe der Öffnung gegenüberliegend angebrachte Ösen zeigen keine Anmutungen von Schmuckelementen und haben wahrscheinlich funktionale Bedeutung als Griffe und als Befestigungspunkte für Haltevorrichtungen.   
 
Die flache Diskusform bot gegenüber bauchigen Kugelformen mit flachen Böden in Kontexten damaliger Lebensweise und Kochtechniken mehrere Vorteile:
  • Bei der Herstellung ohne Töpferscheibe sind runde Formen leichter als flache Böden zu realisieren, weil flache Böden beim Trocknen und Brennen leicht reißen oder sich verziehen können. Während flache Böden einen ebenen Stand erfordern, ermöglicht runder Boden Stabilität in weichem Untergrund. 
  • Beim Kochen über offenem Feuer oder in einer Kochgrube ist die Wärmeverteilung im Gefäß bei runden Formen gleichmäßiger und effizienter bezüglich der Nutzung von Brennmaterial.
  • Runde und insbesondere Diskusformern sind bei Nutzung, Transport und Lagerung robuster und flexibler als Formen mit Ecken und Kanten.   

Verfeinerung der zeitlichen und kulturellen Einordnung der Keramik 
 
Mangels anderer Quellen stützt sich die Verfeinerung der Einordnung auf vergleichende Analogien von im Internet gefundenen Objekten. Präkolumbianische Keramikgefäße haben überwiegend eine kugelige oder zylindrische Form. Eine Besonderheit unseres Objektes ist die abgeflachte Diskusform. Trotz aufwändiger Recherchen mit Sichtung hunderter Bilder wurden nur vier ähnliche Objekte gefunden, die Antiquitätenhändler zu Verkaufszwecken mit spärlichen Informationen im Netz veröffentlicht haben. Preise bewegen sich von 300 US$ bis 700 US$. Man kann darüber spekulieren, ob mehr Informationen bekannt sind oder zurückgehalten wurden, um dubiose Herkünfte bewusst zu verschleiern. 
 
Präkolumbianische Keramik, Capulì-Kultur, Kolumbien, 800-1500 n.C. Präkolumbianisches Weithalsgefäß aus Narino, Kolumbien. Etwa 800 bis 1200 n.C. Diskusförmiges Keramikgefäß, präkolumbianische Narino Capuli Kultur Diskusförmiges Keramikgefäß, präkolumbianische Narino Capuli Kultur
 
Die als 'diskusförmig' oder 'diskusartig' beschriebenen Gefäße (im Englischen oft als discoid vessels bezeichnet) gelten als charakteristische Keramikobjekte der Nariño-Kultur, insbesondere innerhalb des Capulí-Kulturkomplexes (ca. 850–1500 n. Chr.). 
 
Karte Stammesgebiet der Capulíkultur (5)
5 = Siedlungsgebiet Capulí-Kultur
Nariño ist die Bezeichnung für einen kolumbianischen Verwaltungsdistrikt. Benannt ist der Distrikt nach dem kolumbianischen Militärführer und Nationalhelden Antinio Nariño (1765-1824). Der Distrikt Nariño liegt in der Grenzregion zwischen Kolumbien und Ecuador und ist das Siedlungsgebiet mehrerer indigener Völker, die ihre traditionelle Lebensweise weitgehend bewahren konnten. Capulí ist die Bezeichnung einer ärchölogischen präkolumbianischen Bevölkerungsgruppe, die im heutigen nördlichen Ecuador und südlichen Kolumbien in Hochebenen der Anden lebte. Blütezeit dieser Kultur war der Zeitraum 800 n.C. bis 1500 n.C. 
 
Die Capulí-Kultur ist älter als die Inka-Kultur, aber mit der Expansion der Inka-Kultur wurde sie von der mächtigeren Inka-Kultur dominiert. Die Capulí-Kultur bleibt dennoch anhand ihrer keramischen Objekte identifizierbar. Keramische Gefäße der Capulí-Kultur weisen folgende Merkmale aus:
  • Form: Sie weisen eine abgeflachte, scheiben- oder diskusartige Form auf, die durch eine zentrale Öffnung oder Vertiefung akzentuiert wird.
  • Material und Technik: Die Gefäße wurden handgeformt, bestehen aus Ton und weisen oft eine dunkelbraune, rote oder polychrome Bemalung auf, die typisch für die Keramik dieser Kultur ist. Die Capulí-Keramik zeichnet sich durch feine Techniken wie die Negativmalerei (schwarz auf dunkelrot) und präzise geometrische Muster aus. Die Diskusform unterstreicht das hohe technologische Verständnis der Töpfer für komplexe Symmetrien.
  • Zweck: Die Keramik ist Teil eines breiten Spektrums an hochentwickelter präkolumbianischer Keramik, aber der genaue Zweck dieser spezifischen diskusförmigen Gefäße ist Gegenstand der Forschung.
    • Ritueller Kontext: Viele dieser Gefäße wurden als Grabbeigaben in tiefen Schachtgräbern gefunden, was auf zeremonielle rituelle Bedeutungen hinweisen könnte. 
    • Symbolik: Die flache, kreisrunde Form könnte astronomische oder kosmologische Symbole darstellen, die für die Agrargesellschaften der Andenregion von Bedeutung waren. 

Fazit 

Eine Einordnung unseres Keramikobjektes als "Inka-Schale" ist möglicherweise nicht völlig falsch, weil sich Kulturen im 14. und 15. Jahrhundert überlagerten, aber auch dann wäre diese Einordnung unscharf. Erkenntnisse von Recherchen weisen auf eine Keramik der Capulí-Kultur aus dem Zeitraum 800 n.C. bis 1500 n.C. hin. Ohne Ausbildung in Methoden von Geschichtswissenschaft sowie ohne eigene Expertise zum Kulturraum, zur Kulturgeschichte und zu Kulturtechniken in Kontexten der Keramik kommen wir als Barfußhistoriker der zeitlichen und kulturellen Einordnung der Keramik mit verfügbaren Bordmitteln nicht näher als hier beschrieben. Trotz bescheidener Bordmittel haben wir wieder viel gelernt. Es sind immer die gleichen Kräfte, Mächte und Mechanismen, die Kulturen verbinden oder zu Feinden machen und Kulturen zusammenhalten oder zerstören.

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