Links: Inka-Keramik(?) - Mitte: Handmade native Navajo Keramik aus dem Canyon de Chelly - Rechts: Siegburger Keramikkrug
Unsere Küche dekorieren drei auf einem Glasboden aufgestellte Gefäße. Mit jedem der Objekte verbinden wir besondere Erinnerungen unserer Biografie. Die rechts abgebildete Keramik beschreibt der Post Römisch? Nein, Siegburger Mittelalter und Frühneuzeit! Die linke Keramik beschreibt der Post Inka-Keramik? Dieser Post befasst sich mit der dazwischen stehenden Navajo-Keramik.
Ursprung und grobe Einordnung des Keramikobjektes
Die Herkunft des mittleren Gefäßes gibt keine Rätsel auf. Wir haben es
im Mai 2013 auf einer Rundreise durch den Südwesten der USA erstanden. Eindrücke der Reise vermittelt der Reiseblog Südwestpassage USA 2013. Bereits im Jahr zuvor haben wir eine Rundreise entlang der Pazifikküste und durch den Südwesten der USA unternommen und uns vor allem auf Nationalparks konzentriert. 2012 waren wir insbesondere von Landschaften und Kulturgeschichte im Südwesten der USA fasziniert, sodass wir auf der Rundreise 2013 begonnen haben, diese Aspekte zu vertiefen. Wir waren entschlossen, diese Exkursionen ab 2016 fortzusetzen und hatten mehrere Ziele im Auge, aber die erste Amtszeit von Donald Trump und die Covid-19-Epidemie verhinderten diese Pläne. Jetzt sind wir zu alt für solche Reisen.
Auf dem Colorado-Plateau haben wir 2013 bei einer Wanderung auf dem White House Ruins Trail im Canyon de Chelly der Navajo Nation Reservation die abgebildete Keramik-Vase von einer indigenen Frau aus dem Volk der Navajo (die Selbstbezeichnung ist 'Diné', was 'das Volk' bedeutet) inkl. Segenswunsch God Bless You erstanden. Die Keramik-Vase ist kein historisches Objekt, sondern ein von einheimischen Bewohnern erstelltes typisches Reisesouvenir, wie sie an von Touristen besuchten Orten von fliegenden Händlern angeboten werden. Allerdings ist der Canyon de Chelly kein touristischer Hotspot, sondern eher ein Geheimtipp, den wir 2012 erhalten haben. Die Geschichte dieses Geheimtipps sowie die kulturelle Bedeutung des Canyon de Chelly und Details zur Wanderung beschreibt das Kapitel 'Wie wir auf das Canyon de Chelly aufmerksam wurden' im zweiten Teil des Posts.
Die auf dem Boden der Vase angebrachte Signatur Binishtaa Navajo ist ein Hinweis auf eine authentische, von Hand gefertigte und mit traditionellen Motiven bemalte, geätzte oder geritzte Keramik im Navajo-Stil. Binishtaa ist der Name einer bekannten Navajo-Töpferfamilie. Traditionell diente Keramik der Navajo funktionalen Zwecken und ist ohne Dekorationen schlicht gestaltet, was sicherlich ihrer Geschichte geschuldet ist.
Navajo gehören zur Sprachgruppe der Apachen und leben wie diese nomadisch sowie matrilinear und matrilokal in Gruppen ohne hierarchische Strukturen. Ihr Siedlungsgebiet lag bis Beginn des 15. Jahrhunderts im heutigen Kanada. Um 1450 siedelten Navajo in mehreren Wellen in den Südwesten der heutigen USA um und trafen dort auf Pueblo-Kulturen, deren sesshafte Lebensweise und Kulturtechniken sie teilweise übernahmen. Navjos leben jedoch nicht in Pueblos, sondern traditionell in als Hogans bezeichneten Hütten. Belastbare Gründe der Umsiedlung sind nicht bekannt. Auf Pueblo-Kulturen und Kontexte der Umsiedlung von Navajos gehen Kapitel im zweiten Teil des Posts ein.
Symbole der Navajo-Vase
Während die Herkunft des Objektes klar ist, sind die Bedeutung der im
Stil von Petroglyphen mit Ritztechnik herausgearbeiteten traditionellen
Symbole und deren kulturelle Einordnung für kulturfremde Betrachter
rätselhaft bzw. erklärungsbedürftig. Nachfolgend ist die bisher noch
unvollständige Entschlüsselung der Symbole je Foto beschrieben.
Foto oben links: Man in the Maze
Das Symbol mit den nach oben offenen konzentrischen Kreisen, über denen eine menschliche Figur platziert ist, wird als Man in the Maze (Mann im Labyrinth) bezeichnet. Im Südwesten der USA hat sich dieses Motiv in der Kunst, im Kunsthandwerk und auf Souvenirs verbreitet. Ursprünglich war das Motiv ein bedeutendes spirituelles Symbol der Tohono O’odham (Selbstbezeichnung als 'Volk der Wüste'), die in mehreren Untergruppen überwiegend in der Sonora-Wüste von Arizona und Nordmexiko lebten.
Die Figur am Eingang des Labyrinths stellt den Schöpfer I’itoi (auch „Elder Brother“
genannt) dar. In der Kosmologie der
O'odham-Völker Arizonas ist I'itoi oder I'ithi der in einer Höhle unterhalb des heiligen Gipfels des Baboquivari-Berges wohnende Schöpfer und Gott. Die mündliche
Überlieferung der O'odham beschreibt, wie I'itoi die Hohokam (Vorfahren) aus der
Unterwelt auf die Erde brachte. I'itoi hat den Menschen das Himdag übergeben, eine Sammlung von Geboten, die
den Menschen helfen, im Einklang mit der Welt zu leben und mit ihr so zu
interagieren, wie sie es vorgesehen hat. (Anmerkungen zu Schöpfungsmythen sind am Ende des Posts angefügt.)
Das
Symbol stellt die durch Entscheidungen, Herausforderungen und spirituellem Wachstum geprägte menschliche Reise durch das Leben dar. Das
Labyrinth symbolisiert das Leben mit allen Wendungen, Erfolgen und
Rückschlägen. Jeder Richtungswechsel steht für eine lebensverändernde
Entscheidung oder ein Ereignis. In der Mitte des Symbols sind Träume und Ziele zu finden, aber hier wartet auch der Tod und geleitet in die nächste Welt. Vor der Begegnung mit dem Sonnengott gibt kurz vor Erreichen der
Mitte eine letzte Wendung Gelegenheit zur Reflexion
über den eigenen Weg und zur Reinigung.
Foto oben rechts: Kokopelli
Die menschenähnliche Figur des Flötenspielers zeigt Kokopelli, eine an den Hirtengott Pan erinnernde Fruchtbarkeitsgottheit, die gewöhnlich mit Phallus und
häufig zusammen mit anderen Symbolen abgebildet wird und Kontexte zu
Fruchtbarkeit von Ackerboden, jagbarem Wild und menschlicher Sexualität
herstellt.
Ähnliche Darstellungen sind in Kulturen des Südwestens seit der Zeit 4000 v.Chr. als Petroglyphen nachgewiesen. Die Entwicklung der Figur mit beschriebenen Attributen wird auf die frühe Phase der Pueblo-Kultur im Zeitraum von 750 bis 900 datiert. Früheste Darstellungen auf Keramiken werden um das Jahr 1000 datiert. Nach dem Zusammenbruch der Ancestral-Pueblo-Kulturen (1300-1450) haben Hopi und Zuñi die Tradition dieser Figur weitergeführt. Später eingewanderte Navajo haben die Tradition aufgegriffen.
Spiralen symbolisieren den Kreislauf des Lebens, kosmische Energie, Wasser, Wind, Reise der Seele. In Verbindung mit Figuren weisen Spiralen auf Zusammenhänge zwischen Menschen, Erde und Universum hin.
Foto unten links: Zwillingsgötter Po-okang-hoya und Palo-ngao-hoya?
Die beiden menschenähnlichen Figuren könnten die Zwillingsgötter
Po-okang-hoya und Palo-ngao-hoya der Hopi-Mythologie darstellen. Die Zwillinge sind Enkel der Spinnenfrau (Spider Woman oder Kokyangwuti) und gehen ihr als Kriegergötter und Beschützer zur Hand, um Ordnung zu schaffen und Schutz zu gewährleisten.
Der Mythos der Spinnenfrau ist weltweit verbreitet und symbolisiert überwiegend weibliche Schöpfungskraft, Lebensfäden und Schicksal. Eigenschaften der Spinnenfrau unterscheiden sich kulturspezifische von gutmütig bis bösartig. In der Mythologie von Pueblo-Kulturen ist die Spinnenfrau (Spider Woman/Spider Grandmother) ist eine gutmütige zentrale Schöpfergöttin und weise Erdmutter. Sie gilt als Schöpferin der Menschen aus Ton sowie Weberin des Lebens und Lehrmeisterin des Webens. Sie wird als freundliches, unterirdisches Geistwesen verehrt, das Weisheit, Schutz und Lebensnotwendigkeiten schenkt, u.a. Regen.
Foto unten rechts: Ziegen
Ziegen brachten erst Spanier im 16. Jahrhundert auf den amerikanischen
Kontinent. Bei den Navajos sind Ziegen ein Zeichen für Reichtum (ähnlich
wie Rinder in anderen Kulturen).
Sonstige Symbole
Der strahlende Kreis ist wahrscheinlich als Sonnensymbol zu verstehen. Das Sonnensymbol ist ein zentrales Motiv der Hopi-Kultur und repräsentiert die Kraft, die alles Leben auf der Erde erweckt.
Der Stab mit einem Kreis am oberen Ende und drei Querstrichen darunter könnte den Weltenbaum symbolisieren. In schamanischen Kulturen ist der Weltenbaum ein zentrales Symbol, das als Axis Mundi (Weltachse), Himmel, Erde (Mittelwelt) und Unterwelt verbindet. Der Weltenbaum dient mit seinen Sprossen Schamanen als Himmelsleiter für Seelenreisen in
Geistbereiche. Er symbolisiert die Schöpfung und verkörpert
kosmische Lebenskraft. Der Kreis am oberen Ende des Stabs (Weltenbaum) könnte die Schamanentrommel symbolisieren. Die SSchamanentrommel ist ein Werkzeug, das Schamanen als Brücke zwischen Unter-, Mittel-, Oberwelt und als eine Art Reittier für die Seelenreise dient. Durch monotone Rhythmen ermöglicht die Trommel Trance und in Trance durch Reisen in spirituelle Dimensionen Kommunikation mit Geistern und schließlich Heilung von schlechten Kräften.
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass Symbole auf der Keramik aus Navajo-Kultur aus älteren Pueblo-Kulturen übernommen sind. Lediglich Darstellungen von Ziegen können als spezifisch für Navajo-Kultur gelten.
Teil 2 - Randthemen des Posts
Wie wir 2012 auf das Canyon de Chelly aufmerksam wurden
Auf unseren beiden Rundreisen im Südwesten der USA zählte die relativ unzugängliche wilde Landschaft des touristisch eher wenig beachteten Capitol-Reef-Nationalparks zu unseren Highlights. Die Einrichtung des Nationalparks schützt die einzigartige, einer sich über mehr als 150 km erstreckende geologischen Formation einer Verwerfung der Erdkruste, die als Waterpocket Fold bezeichnet wird. Gleichzeit schützt der Nationalpark bedeutende Zeugnisse der indigenen Kultur in diesem Gebiet. Auf beiden Reisen wohnen wir in dem für amerikanisches Outback ausgesprochen hübschem Ort Teasdale für mehrere Tage in einem Holzbungalow der naturnahen Anlage der Pine Shadow Cabins. Über den Aufenthalt 2012 berichtet der Post Reise vom Bryce Canyon NP zum Capitol Reef NP.
Beim Aufenthalt 2012 bewohnt den Nachbar-Bungalow ein Ehepaar aus Kalifornien, Cliff
und Cathy aus dem Nappa Valley, im Sonoma-County. Wir machen uns bekannt und entdecken einige
Gemeinsamkeiten. Sie haben ebenfalls das Berufsleben hinter sich und unternehmen lange Reisen. Nach dem Begrüßungs-Smalltalk lädt uns Cliff zum „Five-o’-Clock-Wine“ ein. Er hat vorgesorgt, denn „man
sei schließlich in Utah!“ und bringt daher einen Vorrat an Wein und Bier
mit! Wir nehmen das Angebot
gerne an und trinken ein Glas Weißwein aus dem Sonoma-County. In
unserer Unterhaltung erfahren wir, dass die beiden gerade eine
viermonatige Reise quer durch die USA unternehmen und auf der Route
verschiedene Freunde und ihre Kinder besuchen, die über das ganze Land
verstreut leben. Vor einiger Zeit waren sie sogar neun Monate in Europa
unterwegs.
Cliff
und Cathy interessieren sich für unsere Reiseroute und stellen mit Bedauern fest, dass wir das unbedingt sehenswürdige Canyon de Chelly nicht berücksichtigt haben. What Canyon? Von diesem Ort wussten wir bis gerade nicht, dass es ihn gibt. Jetzt ist er vorgemerkt für die USA-Rundreise im Folgejahr. Den Besuch im Jahr 2013 dokumentieren Posts und Fotoserien:
Anmerkungen zur Entstehung der Navajo-Kultur in der Four Corners Region im Südwesten der USA
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte ohne Berücksichtigung indigener Besiedlungen oder natürliche
Topografien der Landschaft per politischer Entscheidungen durch willkürliche Grenzziehungen in mehreren Schritten die Aufteilung des Colorado-Plateaus zwischen den Staaten Arizona, Colorado,
New Mexico, Utah in die Four Corners Region. Verstreut im Südwesten der USA lebenden Navajos wurde nach blutigen Konflikten 1868 die Navajo Nation Reservation zugewiesen
und in Nachfolgejahren mehrfach erweitert. Das Reservation liegt
überwiegend in Arizona, aber Teile erstrecken sich auch nach New Mexico
und Utah. Weite Anteile der Reservation gelten als landwirtschaftlich
nicht nutzbare Badlands und wurden aus diesem Grund indigenen
Kulturen überlassen. Wasserressourcen und Bodenschätze verändern jedoch
Interessen und erzeugen neue Konflikte. In der Gegenwart leben jeweils
ca. 50 % der Navajo innerhalb oder außerhalb der Reservation. Navajo
sind nach den Cherokee die bevölkerungsreichste indigene Ethnie der USA.
Inmitten des Navajo Reservats liegt als Enklave das Reservat der Hopi, die neben den Zuñi in New Mexico zu den bekanntesten der noch traditionell lebenden Pueblo-Kulturen
zählen. In der Vergangenheit wurden Siedlungen der Hopi regelmäßig von
Navajo überfallen und ausgeraubt. Daher betrachten Hopi die Navajo als
ihre natürlichen Feinde. Um ihre traditionelle Lebensweise zu
bewahren, vermeiden Pueblo-Kulturen der Gegenwart Kontakte mit Touristen nach schlechten historischen Erfahrungen mit invasiver europäischer Kultur.
Im
Unterschied zu Apachen, die ihre nomadische
Lebensweise lange beibehielten, übernahmen Navajos von Pueblo-Kulturen
nicht nur Ackerbau und Viehzucht, sondern auch handwerkliche Methoden
(Töpfern und Tuchweberei) und schließlich auch künstlerische bzw.
religöse
Symbolsysteme, die in dekorativen Mustern und Schmuckstücken ihren
Ausdruck erhalten. Navajos gaben jedoch das Beutemachen als eine
spezielle Form nomadischer Wirtschaft nicht auf. Sie lebten mit
benachbarten Stämmen in offener Feindschaft und unterhielten lediglich
mit Apachen freundschaftliche Beziehungen. Wie Apachen überfielen auch
Navajos, mitunter auch gemeinsam mit Apachen, regelmäßig benachbarte
Stämme zum Beutemachen. Eine beliebte Beute waren Sklaven, die für
die Feldarbeit, als Hirten oder allgemein für niedrige Arbeiten
eingesetzt wurden oder als Handelsware dienten. Aus Europa eingewanderte
Siedler waren von den Beutezügen nicht ausgenommen. Spanier verbündeten
sich mit Comanchen (ein Zweig der Shoshonen-Linie), um Apachen und
Navajos
zu bekämpfen. Nordamerikanisches Militär setzte im 19. Jahrhundert
diesen Kampf fort und löschte die Navajo-Kultur nahezu aus. Einem
brutalen Gemetzel fielen 1864 die meisten der im Canyon de Chelly
versammelten Navajo zum Opfer. Die Überlebenden wurden in einem 500
km Long Walk, der viele weitere Opfer kostete, in das Reservat
Bosque Redondo überführt, das keine ausreichenden Lebensgrundlagen bot. Traumatisierende Erinnerung an dieses Geschehen sind bis heute in der Navajo-Kultur lebendig.
Ausgerechnet General William T. Sherman, ein Veteran des amerikanischen Bürgerkrieges, dessen Methoden der Kriegsführung äußerst umstritten waren, leitete eine Kommission zur Untersuchung der Zustände im Reservat. General William T. Sherman zeigte sich über die Lage der Navajo im Reservat erschüttert. Am 1. Juni 1868 schloss er als Vertreter der Vereinigten Staaten mit den Navajo einen Vertrag, der ihnen die Rückkehr in ihr Stammland ermöglichte und die Rechtsgrundlage für die Navajo Nation Reservation bildete.
Ausgerechnet General William T. Sherman, ein Veteran des amerikanischen Bürgerkrieges, dessen Methoden der Kriegsführung äußerst umstritten waren, leitete eine Kommission zur Untersuchung der Zustände im Reservat. General William T. Sherman zeigte sich über die Lage der Navajo im Reservat erschüttert. Am 1. Juni 1868 schloss er als Vertreter der Vereinigten Staaten mit den Navajo einen Vertrag, der ihnen die Rückkehr in ihr Stammland ermöglichte und die Rechtsgrundlage für die Navajo Nation Reservation bildete.
Fotomotive von Landschaften der Four Corners Region
In der Four Corners Region treffen Reisende auf beeindruckende wilde Landschaften, von denen verlinkte Posts und Fotoserien Eindrücke vermitteln:
- Post Monument Valley
- Post Canyonland Nationalpark 2012
- Post Capitol Reef Nationalpark 2012
- Post Cathedral Valley Loop im Capitol Reef Nationalpark 2013
- Post Vermillion Cliffs Wilderness
- Post Badlands und Wilderness im Grand Starcase-Escalante National Monument
- Fotos Shiprock
- Fotos Bisti Wilderness
- Fotos Angel Peak Sceani Area in den Kutz Canyon Badlands
Anmerkungen zur Geschichte von Pueblo-Kulturen im Südwesten der USA
In der Four Corners Region treffen Reisende auf bedeutende historische Relikte untergegangener Pueblo-Kulturen. Die Blütezeit der Pueblo-Kultur war zwischen 900 und 1300 n.Chr. Um 1300 setzte der Niedergang der Pueblo-Kultur ein. Hauptfaktoren des Niedergangs waren ein Zusammenspiel mehrerer Krisen, die zum Verlassen großer Siedlungsgebiete führten:
- Klimatische Veränderungen mit einer Dürreperiode zwischen 1276 und 1299 n. Chr.,
- lkologische Übernutzung von Ressourcen (die Abholzung für Bauholz und Brennstoff führte zu Erosion und sinkenden Grundwasserspiegeln),
- soziale Spannungen aufgrund von Bevölkerungswachstum bei knappen Ressourcen,
- außerer Druck durch eindringende Gruppen wie Navajo und Apachen.
- Importierte Krankheiten dezimierten die indigene Bevölkerung.
- Religiöse Unterdrückung traditioneller Bräuche löste Aufstände und militärische Sanktionen aus.
Die bedeutendsten Plätze untergegangener Pueblo-Kulturen haben wir 2012 und 2013 besucht. Verlinkte Post und Fotos dokumentieren unsere Besuche:
- Post Mesa Verde Nationalpark
- Post Badlands und Chaco Kultur im San Juan Basin
- Fotos Chaco Canyon Historical Park
- Fotos Pueblo-Ruinen im Wupatki National Monument, Arziona (coming soon)
Anmerkungen zu Schöpfungsmythen
Ähnlichkeiten von Schöpfungsmythen empfinden wir immer wieder als bemerkenswert. Kosmogonische Schöpfungsmythen
erklären, wie aus Chaos, dem Nichts, einem Ei, dem Urstoff oder einem
Urwesen die Welt entstand. Schöpfungsmythen sind meistens religiöse
Erklärungen und erheben Anspruch auf Wahrheit. Claude Lévi-Strauss verdanken wir Einsichten:
"Dass
Mythen keine „primitiven“ Formen der Sinnbildung sind, sondern
ausgefeilte Techniken, mit deren Hilfe eine Analogie zwischen Natur- und
Sozialordnung begründet, stabilisiert und Sicherheit gestiftet werden
kann, wird seit den Arbeiten von Claude Lévi-Strauss allgemein
anerkannt. Sie haben eine epistemische (das Wissens- bzw. Glaubenssystem
systematisch ordnende), soziale und anthropologische Funktion." (Wikipedia: Mythos)
Claude Lévi-Strauss
erkannte, dass Kataloge tradierter Mythen immer in 6 Abschnitten
untergliedert sind. Die erste Erzählung berichtet, wie die Welt aus der
monistischen Instanz einer Urkultur entspringt (dem Nichts, dem
Chaos, einem Fluss, einem Meer, einem Früchte tragenden Weltenbaum, der
Regenbogenschlange, einer astronomischen Singularität etc.), zu der alle
nachfolgenden Erzählungen in Beziehung gesetzt werden. In
kosmogonischen Mythen gilt der erste Zustand immer als ein Zustand, in
dem Glück und Harmonie in Vollkommenheit bestehen (Paradiese).
Nachfolgende mythische Erzählungen beschreiben Konflikte, aus denen die Zerstörung ursprünglicher
Vollkommenheit resultiert.
Animistische Urmythen projizieren mittels
Anthropomorphisierung menschliche Eigenschaften und menschliches
Verhalten auf eine Welt, in der Tiere, Pflanzen und nicht lebende Objekte entsprechend einer menschlichen Seele beseelt sind.
Religiöse Mythen verknüpfen die Welt der Menschen mit der Welt von Göttern. In vielen Kulturen bestehen kosmogonische
Mythen, die den Ursprung des Kosmos und der Erde erklären, Sinn stiften
und eine Urordnung festlegen, die Menschen zu bestimmten
Verhaltensweisen verpflichten. Die Entstehung einzelner Kulturen oder kultureller Techniken wird oft mit Kulturhelden erklärt (z.B. Prometheus, Gilgamesch, Mose).
Grenzen zwischen
animistischen, religiösen und rationalen Entstehungsmythen sind fließend. Das kosmologische Standardmodell
der Entstehung und Ausbreitung des Universums basiert auf
kosmogonischen Mythen und überstülpt ihnen rationale physikalische
Erklärungen. Anfangssingularität des kosmischen Urknalls hat keinen Ereignishorizont
und liegt außerhalb des Gültigkeitsbereichs physikalischer Gesetze. Das
Narrativ des Urknalls als Entstehung von Materie, Raum, Zeit und
physikalischer Gesetze aus einer ursprünglichen Singularität ist ein
rationaler kosmogonischer Mythos.






Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen