Samstag, 7. November 2026

Die Blauen Reiterinnen - Ausstellung Museum Wiesbaden, 23.10.2026-21.02.2027

Eingangsportal Museum Wiesbaden Ausstellungsplakat: Marianne von Werefkin, Der Tänzer Alexander Sacharoff, 1909 Ausstellungscollage im Museum Wiesbaden Warteschlange im Museumsflur
 
Die Herbstpräsentation des Weinguts Müller-Catoir in Neustadt an der Weinstraße motiviert zu einem Wochenendtrip an die Pfälzer Weinstraße mit Übernachtungen im Kallstadter Hof. Die Route zur Pfalz planen wir über Wiesbaden, um die Sonderausstellung "Die Blauen Reiterinnen“ im Museum Wiesbaden zu besuchen. Nicht bedacht haben wir nach den überaus positiven Besprechungen in Medien(*) den starken Besucherandrang aufgrund des freien Eintritts am jeweils ersten Samstag eines Monats. In die Ausstellung gelangen wir erst nach 15 Minuten Wartezeit. In den Ausstellungsräumen müssen wir ebenfalls anstehen, um Bilder aus der Nähe zu sehen. Konzentrierte Betrachtungen sind nicht möglich, aber da wir den empfehlenswerten Ausstellungskatalog vorab beschafft haben, lohnen sich dank des Vorwissens Blicke auf die Originale auch unter diesen Bedingungen. - Fotoserie
 
Auswahl ausgestellter Bilder 
 
Die nach Wiesbaden in München und in Ascona zu sehende Ausstellung kommt als Kooperation des Museums Wiesbaden mit dem Paula Modersohn-Becker-Museum, Bremen, der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München und der Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona – Fondazione Marianne Werefkin, zustande. Die Ausstellung präsentiert Werke von Erma Bossi, Sonia Delaunay-Terk, Emmi Dresler, Elisabeth Epstein, Elisabeth Erdmann-Macke, Natalja Gontscharowa, Else Lasker-Schüler, Maria Franck-Marc, Olga Meerson, Gabriele Münter, Carla Pohle und Marianne von Werefkin. Biografien der Blauen Reiterinnen beschreibt die Ausstellungsseite des Museums Wiesbaden. Eine Ausstellungsseite des Museumsportals ermöglicht das interaktive Erkunden des Netzwerks der Künstlerinnen. Das Museumsportal bietet zu hier dargestellten Gemälden der Ausstellung Werkbeschreibungen. 
 
 

Marianne von Werefkin, Selbstbildnis I, um 1910 Marianne von Werefkin, Am Blumenbeet, um 1910_14 Marianne von Werefkin, Schindelfabrik, 1910 Marianne von Werefkin, Der Tänzer Alexander Sacharoff, 1909
 Selbstbildnis, um 1910 - Am Blumenbeet, um 1910-1914 - Schindelfabrik, 1910 -  Der Tänzer Alexander Sacharoff, 1909 
 
Marianne von Werefkin, Die Masken des Dorfes, um 1925 Marianne von Werefkin, Aschermittwoch, 1931  
Die Masken des Dorfs, um 1925 - Aschermittwoch, 1931
 
 
Gabriele Münter, Landschaft mit weißem Mond (Aufgehender Mond), 1940 Gabriele Münter, Jawlensky und Werefkin, 1908/09 Gabriele Münter, Kandinsky und Erma Bossi am Tisch, 1912 von Kandinsky bemaltes Schränkchen
Landschaft mit weißem Mond, 1940 - Jawlensky und Werefkin, 1908/9 - Kandinsky und Erma Bossi, 1912 - Kommode 
 
Gabriele Münter, Im Zimmer, 1913 Gabriele Münter, Bei Gärtnerei Mederer (_) Murnau, 1931 Gabriele Münter, Drachenkampf, 1913
Im Zimmer, 1913 - Bei Gärtnerei Mederer in Murnau, 1931 - Drachenkampf, 1913 
 
 
 
Maria Franck-Marc, Pfingstrosen, 1909 Maria Franck-Marc, Blumen und gelbe Disteln, um 1913 Maria Franck-Marc, Schwarze Linie, um 1950 Maria Franck-Marc, Heilige Drei Könige, um 1911_12
Pfingstrosen, 1909 - Blumen und gelbe Disteln, um 1913 -  Schwarze Linie, um 1950 - Heilige Drei Könige, um 1911/12
 
 
 
Erma Bossi, Selbstbildnis, um 1910 Natalia Gontscharowa, Die Badenden, um 1910 Elisabeth Epstein, Selbstporträt, 1911  
Selbstbildnis, 1910 - Die Badenden, um 1910 - Selbstporträt, 1911 
 
 
 
Sonia Delaunay, Philomena, 1907 Olga Meerson, Blick durch das Fenster, 1911 Olga Meerson, Blumen, um 1910 Else Lasker-Schüler, Prinz Jussuf von Theben, nach 1934 
Philomena, 1907 - Blick durch das Fenster, 1911 - Blumen, um 1910 - Prinz Jussuf von Theben, nach 1934
 
 
Informationen zur Ausstellung 
 
Anlass der Ausstellung ist der 150. Geburtstag der Malerin Gabriele Münter, zu deren Ehren die UNESCO ein internationales Gedenkjahr ausgerufen hat. Die UNESCO ehrt Gabriele Münter als Wegbereiterin der Gleichberechtigung in der Kunst und als zentrale Persönlichkeit des künstlerischen Netzwerks „Der Blaue Reiter“. Nicht zuletzt würdigt die UNESCO Gabriele Münters Mut, während der NS-Zeit zahlreiche Werke von Wassily Kandinsky, Paul Klee und anderen Künstlern versteckt und gerettet zu haben. 
 
Die Ausstellung macht deutlich, "wie vieles im Nachhinein unwissentlich verzerrt dargestellt wurde oder schlicht ausgeklammert und deshalb unbeleuchtet blieb. So waren es nicht nur die Männer, die allein künstlerische Beziehungen nach Frankreich oder Russland unterhielten, sondern maßgeblich die Künstlerinnen. Außerdem bereicherten sie den „Blauen Reiter“ mit Themenfeldern, die heute hochaktuell sind: Denn in ihren Bildern finden sich mitunter Strategien angedeutet, wie sich unterrepräsentierte Frauen in einem kompetitiven Umfeld behaupten können. Auch zeigen sie die ironische Perspektive zur prinzipiell abgewerteten „Frauenkunst“ oder öffnen den Blick mit ihren gesellschafts- und sozialkritischen Werken für konstruierte Rollenbilder, Identitätsfragen und Geschlechterrollen – Aspekte, die die Männer der Gruppe weniger interessierten. Nicht zuletzt durch ihre, die Perspektive der Frauen mitdenkende Kunst war „Der Blaue Reiter“ eine Ausnahmeerscheinung unter den unzähligen Künstlerkreisen seiner Zeit. Mit den „Blauen Reiterinnen“ gewann „Der Blaue Reiter“ an Pluralität, Vielstimmigkeit und Diversität." (Zitat: Museum Wiesbaden) 
 

Eigene Besuchseindrücke 

Mit expressionistischen Arbeiten sind wir relativ vertraut, da das Kölner Museum Ludwig eine der bedeutendsten Sammlungen des deutschen Expressionismus besitzt. Bis vor einigen Jahren waren ausschließlich männliche Maler die vermeintlich wichtigsten Vertreter des Expressionismus. Malerinnen waren nicht vollkommen unbekannt, aber sie galten eher als Randfiguren. Vor ca. 10 Jahren setzte ein Umdenken ein, das die Bedeutung expressionistischer Malerinnen öffentlich bekannt machte. Als zentrale Figuren gelten insbesondere Gabriele Münter, Marianne von Werefkin und Paula Modersohn-Becker. Die Bedeutung Gabriele Münters ist uns seit der großen Retrospektive 2018/2019 "Gabriele Münter - Malen ohne Umschweife" bewusst. In Murnau und in Sindelsdorf  waren wir 2025 auf Spurensuche, die zwei Posts beschreiben: Gabriele Münter und Expressionismus im Schlossmuseum Murnau sowie Museum Penzberg - Sammlung Campendonk & Sindelsdorfer Malerweg. Paula Modersohn-Becker sind wir in diesem Jahr in Bremen und in Worpswede näher gekommen (Becoming Paula, Jubiläumsausstellung 8.02. - 01.11.2026 zum 150. Geburtstag der Malerin Paula Modersohn-Becker). In der hier beschriebenen Ausstellung erkennen wir Marianne von Werefkins Bedeutung.
 
 
Informationen zum Expressionismus 
 
Wikipedia: Expressionismus:
 "[…] der Expressionismus [ist] eine Bewegung gegen die Tendenzen des Naturalismus [und des Impressionismus]. Im Expressionismus überwiegt die expressive Ebene gegenüber der ästhetischen, appellativen und sachlichen Ebene. Der Künstler möchte sein Erlebnis für den Betrachter darstellen.
[…]
In den expressionistischen Bildwerken treten ein freier Umgang mit Farbe und Form in häufiger Verwendung ungemischter Farben und im deutschsprachigen Raum des Weiteren die Verwendung holzschnittartiger Formen hervor. Weitere Charakteristika sind eine Motivreduzierung auf markante Formelemente der Bildobjekte und eine Auflösung der traditionellen Perspektive.
[…]
Den Künstlern dieser Epoche waren nicht die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe von Eindrücken und schöne Formen wichtig; im Gegensatz zu den impressionistischen Malern drückten die Expressionisten ihre subjektiven Regungen aus. Sie gaben direkt und spontan ein „durchfühlt“ interpretiertes Motiv weiter." 
 

* Ausstellungsbesprechungen in Medien 

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