Die Herbstpräsentation des Weinguts Müller-Catoir in Neustadt an der Weinstraße motiviert zu einem Wochenendtrip an die Pfälzer Weinstraße mit Übernachtungen im Kallstadter Hof. Die Route zur Pfalz planen wir über Wiesbaden, um die Sonderausstellung "Die Blauen Reiterinnen“ im Museum Wiesbaden zu besuchen. Nicht bedacht haben wir nach den überaus positiven Besprechungen in Medien(*) den starken Besucherandrang aufgrund des freien Eintritts am jeweils ersten Samstag eines Monats. In die Ausstellung gelangen wir erst nach 15 Minuten Wartezeit. In den Ausstellungsräumen müssen wir ebenfalls anstehen, um Bilder aus der Nähe zu sehen. Konzentrierte Betrachtungen sind nicht möglich, aber da wir den empfehlenswerten Ausstellungskatalog vorab beschafft haben, lohnen sich dank des Vorwissens Blicke auf die Originale auch unter diesen Bedingungen. - Fotoserie
Auswahl ausgestellter Bilder
Die nach Wiesbaden in München und in Ascona zu sehende Ausstellung kommt als Kooperation des Museums Wiesbaden mit dem Paula Modersohn-Becker-Museum, Bremen, der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München und der Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona – Fondazione Marianne Werefkin, zustande. Die Ausstellung präsentiert Werke von Erma Bossi, Sonia Delaunay-Terk, Emmi Dresler, Elisabeth Epstein, Elisabeth Erdmann-Macke, Natalja Gontscharowa, Else Lasker-Schüler, Maria Franck-Marc, Olga Meerson, Gabriele Münter, Carla Pohle und Marianne von Werefkin. Biografien der Blauen Reiterinnen beschreibt die Ausstellungsseite des Museums Wiesbaden. Eine Ausstellungsseite des Museumsportals ermöglicht das interaktive Erkunden des Netzwerks der Künstlerinnen. Das Museumsportal bietet zu hier dargestellten Gemälden der Ausstellung Werkbeschreibungen.
Selbstbildnis, um 1910 - Am Blumenbeet, um 1910-1914 - Schindelfabrik, 1910 - Der Tänzer Alexander Sacharoff, 1909
Die Masken des Dorfs, um 1925 - Aschermittwoch, 1931
Landschaft mit weißem Mond, 1940 - Jawlensky und Werefkin, 1908/9 - Kandinsky und Erma Bossi, 1912 - Kommode
Im Zimmer, 1913 - Bei Gärtnerei Mederer in Murnau, 1931 - Drachenkampf, 1913
Pfingstrosen, 1909 - Blumen und gelbe Disteln, um 1913 - Schwarze Linie, um 1950 - Heilige Drei Könige, um 1911/12
Selbstbildnis, 1910 - Die Badenden, um 1910 - Selbstporträt, 1911
Philomena, 1907 - Blick durch das Fenster, 1911 - Blumen, um 1910 - Prinz Jussuf von Theben, nach 1934
Informationen zur Ausstellung
Anlass der Ausstellung ist der 150. Geburtstag der Malerin Gabriele Münter, zu deren Ehren die UNESCO ein internationales Gedenkjahr ausgerufen hat. Die UNESCO ehrt Gabriele Münter als Wegbereiterin der Gleichberechtigung in der Kunst und als zentrale Persönlichkeit des künstlerischen Netzwerks „Der Blaue Reiter“. Nicht zuletzt würdigt die UNESCO Gabriele Münters Mut, während der NS-Zeit zahlreiche Werke von Wassily Kandinsky, Paul Klee und anderen Künstlern versteckt und gerettet zu haben.
Die Ausstellung macht deutlich, "wie vieles im Nachhinein unwissentlich verzerrt dargestellt wurde oder schlicht ausgeklammert und deshalb unbeleuchtet blieb. So waren es nicht nur die Männer, die allein künstlerische Beziehungen nach Frankreich oder Russland unterhielten, sondern maßgeblich die Künstlerinnen. Außerdem bereicherten sie den „Blauen Reiter“ mit Themenfeldern, die heute hochaktuell sind: Denn in ihren Bildern finden sich mitunter Strategien angedeutet, wie sich unterrepräsentierte Frauen in einem kompetitiven Umfeld behaupten können. Auch zeigen sie die ironische Perspektive zur prinzipiell abgewerteten „Frauenkunst“ oder öffnen den Blick mit ihren gesellschafts- und sozialkritischen Werken für konstruierte Rollenbilder, Identitätsfragen und Geschlechterrollen – Aspekte, die die Männer der Gruppe weniger interessierten. Nicht zuletzt durch ihre, die Perspektive der Frauen mitdenkende Kunst war „Der Blaue Reiter“ eine Ausnahmeerscheinung unter den unzähligen Künstlerkreisen seiner Zeit. Mit den „Blauen Reiterinnen“ gewann „Der Blaue Reiter“ an Pluralität, Vielstimmigkeit und Diversität." (Zitat: Museum Wiesbaden)
Eigene Besuchseindrücke
Mit expressionistischen Arbeiten sind wir relativ vertraut, da das Kölner Museum Ludwig eine der bedeutendsten Sammlungen des deutschen Expressionismus besitzt. Bis vor einigen Jahren waren ausschließlich männliche Maler die vermeintlich wichtigsten Vertreter des Expressionismus. Malerinnen waren nicht vollkommen unbekannt, aber sie galten eher als Randfiguren. Vor ca. 10 Jahren setzte ein Umdenken ein, das die Bedeutung expressionistischer Malerinnen öffentlich bekannt machte. Als zentrale Figuren gelten insbesondere Gabriele Münter, Marianne von Werefkin und Paula Modersohn-Becker. Die Bedeutung Gabriele Münters ist uns seit der großen Retrospektive 2018/2019 "Gabriele Münter - Malen ohne Umschweife" bewusst. In Murnau und in Sindelsdorf waren wir 2025 auf Spurensuche, die zwei Posts beschreiben: Gabriele Münter und Expressionismus im Schlossmuseum Murnau sowie Museum Penzberg - Sammlung Campendonk & Sindelsdorfer Malerweg. Paula Modersohn-Becker sind wir in diesem Jahr in Bremen und in Worpswede näher gekommen (Becoming Paula, Jubiläumsausstellung 8.02. - 01.11.2026 zum 150. Geburtstag der Malerin Paula Modersohn-Becker). In der hier beschriebenen Ausstellung erkennen wir Marianne von Werefkins Bedeutung.
Informationen zum Expressionismus
Wikipedia: Expressionismus:
"[…] der Expressionismus [ist] eine Bewegung gegen die Tendenzen des Naturalismus [und des Impressionismus]. Im Expressionismus überwiegt die expressive Ebene gegenüber der ästhetischen, appellativen und sachlichen Ebene. Der Künstler möchte sein Erlebnis für den Betrachter darstellen.
[…]
In den expressionistischen Bildwerken treten ein freier Umgang mit Farbe und Form in häufiger Verwendung ungemischter Farben und im deutschsprachigen Raum des Weiteren die Verwendung holzschnittartiger Formen hervor. Weitere Charakteristika sind eine Motivreduzierung auf markante Formelemente der Bildobjekte und eine Auflösung der traditionellen Perspektive.
[…]
Den Künstlern dieser Epoche waren nicht die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe von Eindrücken und schöne Formen wichtig; im Gegensatz zu den impressionistischen Malern drückten die Expressionisten ihre subjektiven Regungen aus. Sie gaben direkt und spontan ein „durchfühlt“ interpretiertes Motiv weiter."
[…]
In den expressionistischen Bildwerken treten ein freier Umgang mit Farbe und Form in häufiger Verwendung ungemischter Farben und im deutschsprachigen Raum des Weiteren die Verwendung holzschnittartiger Formen hervor. Weitere Charakteristika sind eine Motivreduzierung auf markante Formelemente der Bildobjekte und eine Auflösung der traditionellen Perspektive.
[…]
Den Künstlern dieser Epoche waren nicht die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe von Eindrücken und schöne Formen wichtig; im Gegensatz zu den impressionistischen Malern drückten die Expressionisten ihre subjektiven Regungen aus. Sie gaben direkt und spontan ein „durchfühlt“ interpretiertes Motiv weiter."
* Ausstellungsbesprechungen in Medien
- FAZ, 07.10.2026: Alle Augen auf die Blauen Reiterinnen
- FAZ, 21.10.2026: Die "Blauen Reiterinnen" sind eine Entdeckung
- SZ, 21.10.2026: „Die Blauen Reiterinnen“ - neue Schau im Museum Wiesbaden
























Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen