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© Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), Ballonfahrt über Köln - Severinstraße, St Severin-RS-4035 |
Unser Besichtigungsprojekt romanischer Kirchen in Köln motiviert zur Teilnahme an einer vom Kölner Domforum organisierten Führung in St. Severin. Die Kirche ist dem dritten Bischof von Köln, dem Heiligen Severin geweiht, Schutzpatron der Stadt Köln sowie der Weber.(1) Das Bauwerk liegt im Zentrum des Severinsviertels der südlichen Kölner Altstadt in einem eng bebauten Viertel und ist nur aus der Luft überschaubar. In Richtung Severinstraße ist dem Mittelschiff der Kirche ein zweigeschossiger gotischer Westturm mit quadratischem Grundriss vorgelagert.(2)
Die Baugeschichte von St. Severin setzt in der Römerzeit um 320 ein und erlebt in ihrer langen Zeitspanne zahlreiche Umbauten und Veränderungen gemäß zeitlich modischer Baustile und Ausstattungen. Oberflächlich betrachtet stellen sich in der Gegenwart zunächst Eindrücke eines unspektakulären Kirchengebäudes ein. Ganz im Gegenteil begeben wir uns dank kompetenter und engagierter Führung einer in der Pfarrgemeinde St. Severin verwurzelten Historikerin auf eine spannende Zeitreise, die trotz Fußball-EU und Spiel der deutschen Mannschaft gegen England 5 Teilnehmer interessiert. - Fotoserie
Vorgeschichte und Baugeschichte St. Severin(3)



In der Umgebung des Chorherrenstifts siedelte sich das dörflich geprägte Kirchspiel St. Severin an. Bis zum Hochmittelalter lag das Kirchspiel außerhalb der Kölner Stadtmauer, weshalb das Stift von einer eigenen Befestigungsanlage geschützt war. Mit der letzten Erweiterung der Stadtmauer von 1180 bis 1259 erfolgte die Eingliederung des Kirchspiels in die Stadt Köln. Formal wurde der Stiftsbezirk erst mit der Säkularisation im Jahr 1802 aufgehoben. Die Ur-Bevölkerung des Viertels pflegt bis in der Gegenwart ein ausgeprägtes Veedel-Bewusstsein der traditionellen Zusammengehörigkeit.






Architektur und Innenausstattung St. Severin
Mit Umbauten ab 1286 erhielt das fünfjochige Langhaus zum Beginn des 16. Jahrhunderts seine heutige spätgotische Form. Das 1393 - 1411 errichtete Untergeschoss des gotischen Westturms ersetzte einen romanischen Westbau. Das Obergeschoss entstand 1518 - 1526. Bis 1550 wurde ein Spitzhelm aufgesetzt. Auch nach dem 16. Jahrhundert wurden noch zahlreiche Umbauten, Erneuerungen und Sanierungen durchgeführt. Eine zwischenzeitliche Barockisierung der Ausstattung ersetzte im 19. Jahrhundert eine historizistische neuromanische Ausstattung, die 1932 - 1937 einer puristischen Neugestaltung wich.
Im 2. Weltkrieg erlitt St. Severin zwischen 1942 und 1945 starke Kriegsschäden. Von 1945 bis 1961 erfolgte ein Neuaufbau mit dem Ziel, die in verschiedenen Bauphasen über Jahrhunderte errichtete romanisch-gotische Kirche wiederherzustellen. Auf zeitgeschichtlich wechselnde ehemalige Innenraumausmalungen wurde bis auf sparsame Akzente an Säulenkapitellen verzichtet. Zuletzt wurde St. Severin im Zeitraum 2015 - 2018 in einem umfassenden Projekt vollständig saniert, restauriert und erneuert. In der Gegenwart überzeugt St. Severin mit einer gelungenen Balance zwischen Architektur betonender puristischer Schlichtheit und eher wenigen bemerkenswerten sakralen Ausstattungsobjekten, die in dieser Umgebung eine besondere Magie entfalten.




Im Volksmund ist die Severinusmesse auch als Hörnchensmesse bekannt.(9) Die Bezeichnung leitet
sich von einem der Reliquiare ab, an denen die Prozession
vorbeizieht. Das "Hörnchen"ist ein verziertes Büffelhorn, das im 14. Jahrhundert ursprünglich als Trinkgefäß oder Jagdhorn entstand und um 1500 zum
Reliquiar umgewidmet wurde. Das Horn verweist auf den Heiligen Cornelius(10), der zusammen mit dem Heiligen Cyprian(11) und dem Heiligen Severin das Patronat von St. Severin bildet und enthält Reliquien des Heiligen Cornelius.(12) Das Horn beruht als Attribut des Heiligen Cornelius auf einer volksetymologischen Herleitung des Namens "Cornelius" von
lateinisch "cornu" (Horn).(13)

Anmerkungen
- Quellen zur Heiligenlegende:
- Wikipedia: Severin von Köln
- Portal Rheinische Geschichte - LVR: Severin - Heiliger und Bischof von Köln (397)
- Ökumenisches Heiligenlexikon: Severin von Köln
- Vorbild des gotischen Westturms war der erste Turm der Duisburger Salvatorkirche (Baukunst NRW: St. Severin Köln)
- Quellen zur Architektur von St. Severin:
- Wikipedia: St. Severin (Köln)
- Baukunst NRW: St. Severin Köln
- KuLaDig LVR: Severinstift
- Förderverein romanische Kirchen Köln: St. Severin
- Hiltrud Kier und Ulrich Krings: Die Romanischen Kirchen in Köln, 5. Aufl., Köln 1991
- Wikipedia: St. Severin (Köln)
- Die römische Nord-Süd-Verbindung entlang des Rheins führte durch Köln (Neusser Straße und Severinstraße). In Köln begannen oder endeten die zum Atlantik führende Via Belgica (auch Via Agrippinensis, heute Aachener Straße) sowie die über Trier nach Marseille führende Via Agrippa (heute Luxemburger Straße). Eine Rheinbrücke zum Kastell Deutz stellte Anschlüsse zum rechtsrheinischen Raum her. - Quellen:
- Römisch Germanisches Museum: Römer Straßen Köln (PDF)
- Bodendenkmalpflege LVR: Via - Erlebnisraum Römerstraße
- Wikipedia: Via Belgica
- Wikipedia: Erlebnisraum Römerstraße Köln - Trier
- Römisch Germanisches Museum: Unter St. Severin
- Berichte zur Öffnung des Schreins:
- Kölner Stadt-Anzeiger: Aufbewahrt für die Ewigkeit
- Katholische Kirchengemeinde St. Severin Köln: Severinusschrein
- Wikipedia: Reliquien des Heiligen Severin
- LVR: Das Rheinland unter den Franzosen (1794 - 1813)
- Katholische Kirchengemeinde St. Severin Köln: Severinusmesse
- Katholische Kirchengemeinde St. Severin Köln: Das "Hörnchen" aus St. Severin
- Ökumenisches Heiligenlexikon: Cornelius
- Ökumenisches Heiligenlexikon: Cyprian von Karthago
- Erzbistum Köln: Cornelius-Verehrung
- "Das Horn ist das ikonografische Heiligenattribut des Papstes Cornelius, was auf eine Fehlinterpretation des Namens „Cornelius“ vom lateinischen „cornu“ (Horn) zurückgeht und zu seiner Rolle als Patron des „Hornviehs“ geführt hat." - Wikipedia: Korneliushorn aus St. Severin
- Wikipedia: Bartholomäus Bryn der Ältere
- Katholische Kirchengemeinde St. Severin Köln: Abendmahl in St. Severin
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