Der FAZ-Artikel Günther Uecker in Remagen: Der Künstler ist ein Erfinder macht uns auf die aktuelle Ausstellung im Arp Museum Bahnhof Rolandseck mit Werken von Günther Uecker aufmerksam: Günther Uecker: Die Verletzlichkeit der Welt, 8.02.–14.06 2026. Die parallel stattfindende Sonderausstellung Wirklich: Kunst und Realität 1400 bis 1900, 29.03.–6.09.2026 motiviert zusätzlich zum Museumsbesuch in Rolandseck, ein Ortsteil der Stadt Remagen im Landkreis Ahrweiler.
Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Foto links: Blick vom Museum über den Bahnhof Rolandseck und den Rhein nach Bad Honnef und zum Siebengebirge
Foto Mitte: Bahnhof Rolandseck und Museumsgebäude aus Richtung Rhein (Foto by Fusselkopp - Own work, CC BY-SA 3.0)
Foto rechts: Museumsgebäude aus der Vogelperspektive (Foto by Wolkenkratzer - Own work, CC BY-SA 3.0)
Über das Museum und den Gebäudekomplex informieren der Eintrag Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Wikipedia sowie der eigene Post Sonntagsausflug zum Arp Museum Rolandseck, Remagen. Vorausgegangene Besuche des Museums beschreiben die Posts
- 19.06.2015 Bernard Schultze zum 100sten Geburtstag,
- 07.05.2019 Otto Piene - Alchemist und Himmelsstürmer.
Ausstellung "Günther Uecker: Die Verletzlichkeit der Welt", 8.02.–14.06 2026 - Fotoserie
Da muss ein Nagel reingeschlagen werden, damit da Widerstand erzeugt wird, sodass Kunst eindringen kann in die Banalität von Leben. (Günther Uecker)
Anmerkungen zur Vorgeschichte
In den 1960er Jahren bildete Günther Uecker mit Otto Piene (1928-2014) und Heinz Mack (geb. 1931) in der deutschen Avantgarde der Nachkriegskunst von 1958 bis 1966 die Künstlergruppe ZERO. Abstraktionen von Informel und Tachismus wertete die ZERO-Gruppe als historisch belastet und suchte einen von Vergangenheit unbelasteten Nullpunkt neuer Kunst. Zwischen Bild und Skulptur navigierende Raumobjekte verbanden die Künstler mit Licht und Kinetik. Ästhetik ihrer Objekte verstanden sie als Wegweiser eines Aufbruchs in eine neue, heitere, bessere Welt.
Die Künstlergruppe und ihr Umfeld ähnlich denkender Künstler waren dem Künstlerbahnhof Rolandseck eng verbunden und feierten dort legendäre Feste. Kalter Krieg und Vietnamkrieg verschlissen Aufbruchstimmung und naiven puristischen Idealismus von ZERO. 1966 löste sich die ZERO-Gruppe mit einer spektakulären Performance im Bahnhof Rolandseck auf. Um ihren Nachlass zu organisieren und zu erhalten, formierte sich die Gruppe 2008 erneut und gründete zusammen mit der Stiftung Museum Kunstpalast die ZERO foundation.
Von 1964-1997 wurde der nicht mehr bewirtschaftete Bahnhof als Künstleratelier und Künstlertreff genutzt. An diese Zeit erinnert im Tunnel zwischen Bahnhof- und Museumsgebäude die Filmdokumentation Die Treppe dieser Performance aus dem Jahr 1964. In der Performance erobert Uecker nagelnd den Bahnhofsvorplatz und das Bahnhofsgebäude. Fotos zeigen Szenen dieses Films.
Impressionen und Anmerkungen zur Ausstellung
Günther
Uecker wurde mit seinen Nagelreliefs berühmt, deren Dynamik aus einem
Zusammenspiel topografischer Strukturen mit Licht und Schatten
resultierte. In späteren Werkgruppen thematisiert Uecker mit Verletzungen und Verbindungen die Komplexität von Zusammenhängen zwischen konträren Kräften menschlicher Existenz und Möglichkeiten ihrer Versöhnung.
Der 2025 im Alter von 95 Jahren verstorbene Künstler hat selbst noch am Konzept der Ausstellung mitgewirkt. Beschreibung im Ausstellungsflyer:
"Insgesamt werden 45 Werke aus sieben Jahrzehnten gezeigt – von frühen Nagelobjekten über kinetische Installationen bis zu späten Serien, die Ueckers spirituelle Haltung und sein humanistisches Weltbild spiegeln. Im Zentrum stehen Arbeiten, die der Verletzlichkeit der Welt gewidmet sind – Ausdruck eines Lebenswerks, das Frieden, Empathie und menschliche Verantwortung reflektiert."
Medienberichte zur Ausstellung
- art-in.de: Günther Uecker. Die Verletzlichkeit der Welt
- Baukunst.art: Verletzlichkeit zwischen Klassizismus und Stahlbeton: Uecker im Arp Museum
- FAZ: Günther Uecker in Remagen: Der Künstler ist ein Erfinder
- Inart: Günther Uecker
- Martin Lüdke im Online Portal Textor: Ist der Nagel eine Metapher
- SWR: Hommage an Günther Uecker: Den Nagel in die Banalität des Lebens schlagen
- taz: Er hämmerte die Essenz des Seins ins Holz
- Westart ARD Mediathek: Auf den Spuren von Günther Uecker: Westart zu Besuch im Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Nachbetrachtungen und Nachrufe zum Tod von Günther Uecker
Als Schüler habe ich Ende der 1960er Jahre Interesse an zeitgenössischer Kunst entwickelt. Episoden dieser Lebensphase beschreibt der Post: Brian Wilson surft nicht mehr, Günther Uecker nagelt nicht mehr, Gesamtkunstwerk Creamcheese ist still alive - ein Rückblick.
Zitate aus dem Post:
Schlüsselerlebnisse vermittelten ab Ende 1968 Besuche im 1967 eröffneten Künstlerlokal Creamcheese
in der Düsseldorfer Altstadt (Neubrückstraße 12). Die Idee zu diesem
Lokal und der Verbindung zeitgenössischer Musik mit zeitgenössischer
Kunst brachte Günther Uecker aus New York von Andy Warhols Club The Dome
mit. Das Düsseldorfer Konzept entwickelte Günther Uecker mit dem
Filmemacher Lutz Mommartz, dem Designer Danilo Silverstrin und dem
Künstler Ferdinand Kriwet als
ein Gesamtkunstwerk, das Kunst und Leben miteinander verband und
Besucher einbezog. Die Programmatik des Gesamtkunstwerks verfassten
Günther Uecker und Ferdinand Kriwet als „Creamcheese Manifest".
Für
die Gestaltung des Lokals konnte Günther Uecker weitere Künstler der
Düsseldorfer Szene gewinnen. Als Namen des Clubs übernahm Günther Uecker
den Namen der fiktiven Frauenfigur Suzy Creamcheese auf Alben von Frank Zappa.
Günther Uecker und Frank Zappa haben sich in den USA persönlich
kennengelernt. Wenn Frank Zappa im Raum Düsseldorf Konzerte gab,
besuchte er das Creamcheese. Im Vorraum begrüßten Besucher das Gemälde PIN UP eines liegenden Mädchens von Gerhard Richter und eine Installation von Nam June Paik
mit 24 flimmernden Fernsehern, in denen sich Besucher sahen. Heinz Mack
entwarf eine 20 Meter lange Theke mit Spiegel-Lamellen-Rückwand.
Weitere Kunstwerke waren im gesamten Lokal verteilt, u.a. über der Theke
eine abgehängte Thekeninstallation von Daniel Spoerri. Besucher konnten auf einem mehrstufigen Podest Platz nehmen.
Hinter der Theke bedienten Blinky Palermo, Imi Knoebel, Katharina Sieverding, Schüler
von Beuys, die sich später als Künstler durchsetzen konnten. Das Podest
einer Bühne wurde multifunktional genutzt. Wenn keine der damals
angesagtesten Bands live spielte, keine Künstler-Performances und keine
Theateraufführungen stattfanden, war die Bühne Tanzfläche. Über der
Tanzfläche agierte ein DJ, der angesagte Schallplatten 'progressiver'
Musik in langen Versionen auflegte (u.a. Light my Fire (The Doors), I'm a Man (Chicago), Born to Be Wild (Steppenwolf), When I Was Young (The Animals), In-A-Gadda-Da-Vida (Iron Butterly), On The Road Again
(Canned Heat) etc.) und so laut abspielte, dass keine Unterhaltung
möglich war. In Intervallen wurde regelmäßig Stroboskoplicht
eingeschaltet, das Bewegungen der Tanzenden optisch zerhackte. Günther
Uecker, Joseph Beuys und Anatol Herzfeld waren Stammgäste. Zahlreiche andere prominente Gäste ließen sich sehen, wenn sie sich im Raum Düsseldorf aufhielten.
Medienberichte und Nachrufe zu Günther Ueckers 95. Geburtstag und seinem Tod
- Bernhard Schulz, Monopol: Am Nagel hängt doch alles
- NDR: Nagelkünstler Günther Uecker mit 95 Jahren gestorben
- Stefan Trinks, FAZ: Die Kunst als Stachel in unseren Augen
- Tagesschau: Nagelkünstler Günther Uecker ist gestorben
- Till Briegleb, SZ: Der mit dem Hammer malte
- ZEIT-Interview mit Günther Uecker anlässlich seines 95. Geburtstags: "Tanzen tue ich auch gerne"
- Zero Foundation Günther Uecker
Seit 2009 betreut das Arp Museum Bahnhof Rolandseck 275 Gemälde und Skulpturen der Kunstsammlung Gustav Rau, die bis 2001 nahezu unbekannt war und mehr als 2000 Werke umfasst (Die geheime Sammlung des Dr. Rau). Der Marktwert der Sammlung wird lt. Wikipedia von Experten auf 500 bis 750 Millionen Euro geschätzt. Die Sammlung konzentriert sich auf Werke europäischer Malerei ab dem 15. Jahrhundert
bis zum Spätimpressionismus sowie auf Skulpturen vom Mittelalter bis zum 19.
Jahrhundert. Bis 2026 zeigt das Museum aus dem betreuten Bestand im fortlaufenden Ausstellungswechsel Werke der Sammlung in Räumen der Kunstkammer Rau. Gemäß Willen des 2002 verstorbenen Sammlers sollen ab 2026 Werke nach und nach zugunsten des Stiftungsvermögens der UNICEF für humanitäre Zwecke versteigert werden.
Die aktuelle Ausstellung mit dem Titel Wirklich: Kunst und Realität 1400 bis 1900, 29.03.–6.09.2026 beschreibt das Museumsportal:
"Rund 70 faszinierende Werke – Gemälde, Skulpturen, Miniaturen und Fotografien – zeigen den Wandel unserer Wirklichkeitsvorstellung durch fünf Jahrhunderte. Im Mittelalter und Barock ist der Glaube greifbar und real. Skulpturen von Heiligen machen ihre heilende Kraft und das Göttliche sichtbar, den Glauben haptisch erfahrbar, soweit, dass die Menschen von ihrer real heilenden Kraft überzeugt sind. Im 16. und 17. Jahrhundert erfreuen sich scheinbar realistische Genreszenen und Stillleben hoher Popularität. Dabei verbirgt sich in ihnen oft ein tieferer Symbolgehalt, der herausgelesen und entschlüsselt werden will. Mit dem Realismus des 19. Jahrhunderts schließlich wetteifern Fotografie und Malerei um Authentizität. Zwischen Andacht und Alltäglichkeit, zwischen Ideal und Beobachtung erzählt die Ausstellung, wie jede Epoche ihre Wahrheit ins Bild setzt."





































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