Freitag, 17. Juli 2015

600 Jahre Konstanzer Konzil (22.11.1414 - 22.04.1418) - Jahr der Gerechtigkeit (2015)

„Das aber erfüllt mich mit Freude, daß sie meine Bücher doch haben lesen müssen, worin ihre Bosheit geoffenbart wird. Ich weiß auch, daß sie meine Schriften fleißiger gelesen haben als die Heilige Schrift, weil sie in ihnen Irrlehren zu finden wünschten.“ (Jan Hus)
Nach grandiosem Auftakt im Vorjahr (Post vom 10. Juli 2014) würdigt das Jubiläumsjahr 2015 des Konzils von Konstanz unter dem Titel 'Jahr der Gerechtigkeit' den tschechischen Theologen und Reformer Jan Hus. Auf Drängen von König Sigismund und unter Zusicherung freien Geleits reiste Jan Hus zum Konzil von Konstanz, um seine Lehren zu verteidigen. Am 06. Juli 1415 wurde Jan Hus als Ketzer verurteilt und mit seinen Schriften verbrannt. Seine Asche streuten Henker in den Rhein. Vor seiner Hinrichtung soll Jan Hus gesagt haben: „Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan entstehen“. ('Husa' bedeutet tschechisch 'Gans'.) Der Schwan als Luthersymbol geht auf diese Aussage zurück.
Jan Hus ist zweifellos eine bedeutende geistesgeschichtliche Persönlichkeit des ausgehenden Mittelalters im Übergang zur Aufklärung. Dank John Rawls verspricht das Thema 'Gerechtigkeit' spannende Auseinandersetzungen mit moraltheoretischen Prinzipien. Unsere Erwartungshaltung wird vor Ort enttäuscht. Der Besuch im Hus-Museum ist kostenlos, weshalb wir die materialarme Ausstellung, die lediglich entlang einer Zeitachse biografische Daten aufbereitet, nicht reklamieren wollen. Recherchen im Internet sind jedenfalls ergiebiger. Den 'Hussenstein' am Rand der Altstadt, ein Findling, der am vermeintlichen Platz der Verbrennung an Jan Hus und an seinen Gefährten, Hieroymus von Prag erinnert, empfinden wir ebenfalls als ein bescheidenes Denkmal. Diashow der Fotoserie

Federsee und Federseemuseum Bad Buchau im Gebiet der oberen Donau

Federseemuseum in Bad Buchau
Plakat am Federseesteg
Kulturhistorisch Interessierte treffen im Federseebecken auf eine der bedeutendsten archäologischen Fundlandschaften Deutschlands. Der außergewöhnliche Reichtum der Natur dieser Landschaft hat Menschen schon in Urzeiten angezogen. Bewohnt ist die Landschaft wahrscheinlich schon seit mehreren hundertausend Jahren, aber mehr als 12.000 Jahre alte Spuren haben Eiszeiten gelöscht. Das Spektrum erhaltener Spuren reicht vom Nomadentum über Siedlungsformen der Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit bis zur Gegenwart.
Das Federseemuseum in Bad Buchau am Federsee im Bereich der oberen Donau macht prähistorische Kulturgeschichte in vielfältiger Art erfahrbar. Die Museumsarchitektur ist Pfahlbauten nachempfunden. In den Museumsräumen werden archäologische Funde für Laien verständlich präsentiert. Glanzstücke der Ausstellung sind größere Fragmente von ca. 5.000 Jahre alten Scheiben-Wagenrädern, die zu den weltweit ältesten Radfunden zählen. Das Rad ist jedoch vermutlich nicht am Federsee erfunden worden, sondern nahezu zeitgleich in unterschiedlichen Kulturräumen. Am Federsee entwickelten sich über Jahrtausende unterschiedliche Siedlungsformen. Nachbauten im Außenbereich des Museums zeigen anschauliche Muster dieser Siedlungsformen und ihrer Besonderheiten. Mitarbeiters des Museums demonstrieren archaische Handwerkstechniken. Ein Praktikant führt exklusiv für uns vor, mit welchen Waffen und welcher Technik Rentierjagd vor 10.000 Jahren stattgefunden hat. Der Eintrittspreis des sehenswerten Museum beträgt nur 5,50 €. Trotzdem waren wir zeitweilig die einzigen Besucher. 
Allein der Federsee rechtfertigt bereits einen Besuch. Ein 1,5 km langer Holzsteg führt durch das Schilfmeer eines großen Moores bis zu einer Aussichtsplattform am Rand des unter Naturschutz stehenden Bioreservats. Fotoserie Federsee


Donnerstag, 16. Juli 2015

Keltenmuseum in Hochdorf an der Enz

Keltische Fürstenfigur im Keltenmuseum
Grabhügel des keltischen Fürstengrabs in Hochdorf
Wenige km nördlich von Stuttgart verweisen 3 Fürstengräber und zahlreiche archäologische Funde auf ein ehemaliges keltisches Machtzentrum der Eisenzeit auf dem Hohenasperg. Archäologische Grabungen stießen 1978/79 auf den Sensationsfund eines noch unversehrten keltischen Fürstengrabes. Das 1991 eröffnete Keltenmuseum Hochdorf informiert über das archäologische Projekt, stellt Fundstücke und Gebeine des Keltenfürsten aus und zeigt im Untergeschoss eine originalgetreue Nachbildung der Grabkammer mit Repliken ihrer Ausstattung. Glanzstücke der Grabausstattung sind eine kunstvoll gearbeitete Bronzekline, ein keltischer Prunkwagen und ein mit Löwenfiguren verzierter 500 l Met fassender Bronzekessel. Ein rekonstruiertes keltisches Gehöft macht frühkeltische Siedlungen anschaulich. Der Eintrittspreis für die sehenswerte Ausstellung beträgt für das Museum inkl. Außenanlage 5,00 €. Über die Mittagszeit ist das Museum von 12:00 Uhr - 13:30 Uhr geschlossen.
Der rekonstrutierte mächtige Grabhügel des Fürstengrabes liegt in 0,6 km Entfernung hinter dem Friedhof des Ortes (Zufall?) und ist frei zugänglich. Ein großer Findling auf dem Hügel ist Menhiren nachempfunden. Vom Hügel bietet sich ein weiter Blick über die Landschaft bis zum HohenaspergFotoserie Keltenmuseum Hochdorf

Freitag, 19. Juni 2015

Bernard Schultze zum 100sten Geburtstag - Ausstellung im Arp Museum Rolandseck (19. Juni 2015 - 1. Mai 2016)

Sonderausstellung Bernard Schultze im Arp Museum
Bernard Schultze zählt zu den bedeutendsten Malern des deutschen Informels. Seinen 100. Geburtstag ehren gleich 3 Museen mit Sonderstellungen. Das Mu­se­um Kun­st­palast in Düs­sel­dorf zeigt Werke aus der Samm­lung Kemp (19.04.-30.08.2015). Die Ausstellung im Kölner Museum Ludwig präsentiert im Zeitraum 30.05.-22.11.2015 Werke aus dem eigenen Bestand (Post vom 3. Juni 2015). Im Arp Museum Bahnhof Rolandseck eröffnet am 18. Juni 2015 die Ausstellung Ein heller Hauch, ein funkelnder Wind. Bernard Schultze zum 100sten Geburtstag (bis 1. Mai 2016), die wir heute besuchen. Die sehenswerte Ausstellung in einem attraktiven Museumskomplex ist eine kleine Reise von Köln an den Mittelrhein bei Remagen allemal wert und für Freunde des Informels ein 'must do'. (Ticket Normalpreis 9 €)
'Geschichte': Arp Museum Bahnhof Rolandseck


Sonntag, 14. Juni 2015

Summer in the City - Sonntagsspaziergang in Köln

Rekonstruiertes Entrée der Flora Köln
Nachdem der gestrige Stammtisch-Wandertag noch teilweise verregnet war, motiviert uns heute sommerliches Wetter zu einer ausgedehnten Stadtwanderung über mehrere Stationen. Erstes Etappenziel ist der Melatenfriedhof, auf dem wir u.a. Gräber von Sigmar Polke und Alfred Neven Dumont besuchen.(1) Unsere Route setzt sich durch den beliebten Inneren Grüngürtel über Mediapark und Eigelstein sowie durch die Parkanlage am Theodor-Heuss-Ring(2) bis zur Bastei(3) am Konrad-Adenauer-Ufer fort. Wenig weiter nach Norden liegt zwischen Elsa-Brandström-Straße und Zoobrücke der interessante Skulpturenpark Köln, unser zweites Etappenziel, dessen Besuch der Post Köln Skulptur #8, Juni 2015 - Juni 2017 beschreibt. Unweit vom Skulpturenpark liegen Kölner Zoo sowie der als Flora bezeichnete Kölner Botanische Garten. Ein Zoobesuch interessiert uns nicht und 17,50 € Eintritt pP wären wir auch nicht bereit zu zahlen. Kostenlos ist dagegegen der Besuch der attraktiven Flora. Nach wechselvoller Geschichte und umfassender Sanierung der letzten Jahrzehnte präsentiert sich die Anlage in der Gegenwart glänzend.(4) Diashow der Fotoserie - Google Story

Köln Skulptur #8, Juni 2015 - Juni 2017

Pforte des Skulpturenparks Köln
Nachdem der gestrige Stammtisch-Wandertag noch teilweise verregnet war, motiviert uns die Eröffnung der Köln Skulptur #8 des Skulpturenparks Köln bei sommerlichem Wetter zu einer Stadtwanderung, die ein eigener Post beschreibt: Summer in the City - Sonntagsspaziergang in Köln
Der Skulpturenpark Köln wurde 1977 vom Sammlerehepaar Dr. Michael (gest. 2005) und Dr. Eleonore (gest. 2007) Stoffel privat initiiert. 2008 gründete die 'Michael und Eleonore Stoffel Stiftung' (MES) die Stiftung Skulpturenpark Köln und übernahm die Leitung des Parks mit Skulpturen als „ewige“ Dauerleihgabe der Pinakothek der Moderne in München. Das Gelände stellt die Stadt Köln mietfrei zur Verfügung.
Der Skulpturenpark Köln ist als Ort für Auseinandersetzungen mit zeitgenössischer Skulptur konzipiert. Nach 2 Jahren wird ein Teil der ausgestellten Skulpturen ersetzt. Aktuell findet die 8. Auflage statt. Obwohl sich zeitgenössische Skulptur gegenüber einem von breitem Konsens getragenen Kulturverständnis sperrig gibt, konstatieren wir beachtliches Besucherinteresse. Der Besuch ist kostenlos. Diashow der Fotoserie

Mittwoch, 3. Juni 2015

Alibis: Sigmar Polke - Retrospektive 1963-2010 im Museum Ludwig, Köln (14. März 2015 - 5. Juli 2015)

Blick aus dem Foyer Museum Ludwig
Sigmar Polke zählt zu den international bedeutendsten deutschen Künstlern zeitgenössischer Malerei. Im Kunstkompass (ein am Kunstmarkt justiertes Ranking weltweit gefragtester Gegenwartskünstler) liegt Sigmar Polke alljährlich in der Spitzengruppe(1), was ihn etliche Jahre nicht motivieren kann, dem Ansinnen einer Retrospektive im Museum of Modern Art nachzugeben. 2008 stimmt er endlich zu, aber sein Tod beendet am 10. Juni 2010 unwiderruflich die Zusammenarbeit mit dem Museum of Modern Art. Weitere 4 Jahre vergehen, bis das MoMA die Retrospektive 'Alibis 1963-2010' ausstellt. Von New York reist die Ausstellung nach London zur Tate Modern, neben MoMA und Centre Pompidou weltweit führendes Museum für Gegenwartskunst. Das Finale gebührt Sigmar Polkes Wahlheimat. Im Kölner Museum Ludwig bietet die Austellung mit einigen Erweiterungen 'großes Kino'. Im Schatten der großen Retrospektive zeigt das Museum im Zeitraum 30. Mai - 22. November 2015 die gleichfalls sehenswerte, aber ungleich kleinere Ausstellung Bernard Schultze zum 100. Geburtstag.(2) Fotoserie - Fotos als Google-Geschichte

Bernard Schultze zum 100. Geburtstag - Ausstellung im Museum Ludwig, Köln (30. Mai - 22. November 2015)

Ausstellung Bernard Schultze im Museum Ludwig
Am 31.Mai 2015 jährt sich Bernard Schultzes 100. Geburtstag. Der von 1968 bis zu seinem Tod am 14. April 2005 in Köln lebende Maler zählt neben Hans Hartung, K.O. Götz, Willi Baumeister und Emil Schumacher zu den bedeutendsten deutschen Protoagonisten informeller Malerei, mit der deutsche Künstler nach dem 2. Weltkrieg Anschluss an die internationale Kunstentwicklung gefunden haben.(1)
Im Schatten der spektakulären Ausstellung Alibis: Sigmar Polke - Retrospektive 1963-2010 präsentiert das Kölner Museum Ludwig im Zeitraum 30. Mai - 22. November 2015 mit Werken des eigenen Bestands die gleichfalls sehenswerte, aber ungleich kleinere Ausstellung Bernard Schultze zum 100. Geburtstag.(2) Mehr Bernard Schultze ermöglichen gleich zwei weitere aktuelle Ausstellungen (siehe Anmerkungen).(3) Fotoserie Bernard Schultze im Museum Ludwig

Samstag, 11. April 2015

Kursänderungen - da simmer dabei, dat ist prima!

Die kleine Bildergeschichte 'Kursbuch1' kommentiert freundlich schmunzelnd einige Ikonen der Vorgeschichte eines Kurswechsels, den unsere Freunde am 11. April 2015 feiern. Wir gratulieren begeistert und bewundern kühne Entscheidungen zu umfassenden Kursänderungen mit nicht absehbarer Reichweite. Mit Orientierungssinn und Balancegefühl verspricht ein Aufbruch in unvollständig kartographiertes Neuland das Leben bereichernde spannende Erlebnisse und Abenteuer. In äußerst optimistischer Stimmung freuen wir uns auf gemeinsame Wegstrecken diesseits und jenseits des Alltages.

Samstag, 28. Februar 2015

Geburtstag 2015 mit Kölner Märtyrern, Heiligen, Jungfrauen, Huren, Schreckenskammer, Freunden

Besucher und Büstenreliquiare in der Goldenen Kammer
St. Ursula
Anlässlich unseres Geburtstages treffen wir uns mit Freunden auf dem Ursulaplatz. Mit Stadtführer Günter Leitner besichtigen wir die romanische Basilika St. Ursula(1) und schlendern durch Ursula- und Eigelstein-Viertel(2). Sachkundig informiert Günter Leitner über Stadtgeschichte, Ursula-Legende(3), Reliquienkult(4), Architektur und unterhält uns mit humorig-hintersinnigen 'Verzällcher'(5) über Mentalität und Lebensart in kölschen 'Veedeln'(6).
Nicht weniger unterhaltsam, aber etwas gemütlicher, setzt sich die Veranstaltung im Brauhaus Schreckenskammer(7) fort. In einem launigen Beitrag verrät Peter eine in Köln nicht 'verzällte' Fußnote zur Ursula-Legende. Überraschend erfahren wir, dass in Wirklichkeit nur 10.997 Jungfrauen von ihrer Pilgerfahrt in das Kölner Martyrium zurückgekehrt sind.(8) Diashow der Fotoserie